Lahm: "Bundesliga macht mir Sorgen"
Der frühere DFB-Kapitän sieht zu viele "ähnliche Spielertypen". Auch in der Nationalmannschaft sei vor der WM noch "kein Gerüst" erkennbar.
Der frühere DFB-Kapitän Philipp Lahm sieht den deutschen Fußball im europäischen Vergleich nicht auf der Höhe. "Die Bundesliga insgesamt macht mir Sorgen im Vergleich mit anderen europäischen Top-Ligen. Die englische Premier League steht für Wucht und Athletik, die spanische La Liga für anspruchsvollen Ballbesitzfußball - und die Bundesliga? Mir fällt kein passendes Etikett ein", sagte der Weltmeister von 2014 im stern-Interview.
Man bilde in Deutschland "zu viele ähnliche Spielertypen aus, die alles ganz gut können, aber keine Position perfekt beherrschen. Es fehlen klare Profile", ergänzte Lahm.
In der Nationalmannschaft muss deshalb auch bei der WM Kapitän Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger aushelfen. Nicht ideal, so Lahm: "Ich würde mir wünschen, dass Joshua in der Nationalelf im zentralen Mittelfeld spielt. Bei den Bayern tut er das seit Jahren auf höchstem Niveau. In der Nationalmannschaft hätte Joshua im Zentrum ebenfalls den größten Wert. Aber auch auf rechts sehe ich ihn nicht als Notlösung. Er ist ein Weltklassespieler, auch auf der Außenbahn."
Laut Lahm könne man ohnehin "das Fehlen von Spezialisten kompensieren, wenn man ein Gerüst hat mit fünf bis sechs Stammspielern, die miteinander harmonieren. Dieses Gerüst kann ich bislang nicht erkennen. Das hat mit Verletzungen von Spielern zu tun, aber nicht nur. Ein bisschen mehr Konstanz würde der Nationalmannschaft guttun", sagte der 42-Jährige.
Dennoch traue er dem Team von Julian Nagelsmann "einiges zu, wenn der Bundestrainer es früh im Turnier schafft, eine Achse zu finden", sagte Lahm: "Der Weg kann bis ins Halbfinale oder sogar Finale führen. Ich wünsche mir jedenfalls, dass die Mannschaft lange im Turnier bleibt. Dann kann auch in diesem Sommer wieder eine besondere Stimmung in Deutschland entstehen."