Krösches Riera-Fehler: Ehrlichkeit holt kein Europa zurück

Selten kassiert ein Sportvorstand seine Trainerwahl so offen. Gut drei Monate mit dem Spanier kosteten die Eintracht trotzdem eine Saison.

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03.10.2026, xhbx, Fussball Google Pixel Frauen-Bundesliga, Eintracht Frankfurt - FC Bayern München v.l. Sportvorstand Markus Krösche (Eintracht Frankfurt) Frankfurt am Main *** October 3, 20
Foto: IMAGO/Jan Huebner

„Es war am Ende meine falsche Entscheidung.“ So einen Satz hört man von einem Sportvorstand selten. Markus Krösche sagt ihn bei Sport1 über Albert Riera, und er schiebt gleich nach: „Letztendlich war das eine Entscheidung von mir, die nicht funktioniert hat, die im Nachhinein dann auch nicht richtig war.“ Kein Verweis auf die Umstände, kein Wort über Pech oder Verletzte.

Das verdient Respekt. Beglichen ist mit dem Satz aber nichts. Eintracht Frankfurt hat für das gut drei Monate dauernde Missverständnis mit dem spanischen Trainer einen Preis bezahlt, und den macht die Ehrlichkeit nicht kleiner. Gut drei Monate klingen nach einer Episode; für einen Klub mit internationalen Ansprüchen haben sie eine ganze Saison gekostet.

Denn der Preis steht in der Tabelle der vergangenen Saison. Unter Riera hat die Eintracht im Endspurt, von Februar bis Mai, noch einen internationalen Startplatz verspielt. Ein verpasster Europapokal kostet Geld und Ansehen, und er fehlt ein ganzes Jahr lang. Keine Pressekonferenz der Welt holt ihn zurück.

In einer Branche, in der Verantwortung gern beim Trainer abgeladen wird, nimmt Krösche sie dagegen auf sich – öffentlich und in der ersten Person: „eine Entscheidung von mir“. Und er nennt die Lehre gleich mit: „Das hat jetzt nichts mit Dogmatismus zu tun, sondern letztendlich geht es darum, sich irgendwo gewissen Prinzipien treu zu bleiben, um eine höhere Wahrscheinlichkeit zu haben, dass dann die Entscheidung die richtige ist.“ Ein Funktionär, der so spricht, hat aus seinem Fehler offenkundig etwas gezogen.

Nur liest sich gerade dieser Satz wie ein zweites Geständnis. Wer betont, er wolle sich künftig seinen Prinzipien treu bleiben, war es bei Riera offenbar nicht. Damit ist der Fehler größer als eine Fehleinschätzung über einen Trainer: Krösche hat gegen seine eigenen Maßstäbe entschieden. Bezahlt wird ein Sportvorstand dafür, dass ihm so etwas nicht passiert.

Beim Nachfolger klingt Krösche längst wieder überzeugt. Adi Hütter sei „ein sehr guter Typ“, habe „super viel Erfahrung“ und helfe „mit seiner Ruhe“ den jungen Spielern, sich weiterzuentwickeln. Und vor allem: „Wir haben die gleiche Idee vom Fußball.“ Ob das stimmt, zeigt die Tabelle im Mai, nicht das Interview im Oktober.

Das offene Wort über Riera ist zu begrüßen, und es hebt Krösche über viele seiner Kollegen. Die Rechnung dieser Personalie lautet trotzdem: ein ehrlicher Satz gegen einen verspielten internationalen Startplatz. Für die Eintracht geht sie nicht auf.