Ja, Klopp hat den DFB übernommen — so war es bestellt
Uli Hoeneß nennt es einen freundlichen Takeover durch Berater Marc Kosicke. Dabei hat Verbandspräsident Neuendorf ja selbst zugegeben, dass es den Trainer nur im Doppelpack gab - der deutsche Fußball hatte keine Wahl.
"Was mir in der Geschichte nicht gefällt, ist, dass sein Berater Marc Kosicke mit eingekauft wurde", sagte Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern, bei RTL und Sky über die Konstruktion um Bundestrainer Jürgen Klopp. „Mir kommt die ganze Geschichte vor wie ein ‚friendly takeover‘.“ Eine freundliche Übernahme.
Und dann legt er nach: „Klopp und Co. haben den DFB übernommen und das halte ich für falsch.“ Eingekauft, sagt er. Nicht eingeschleust, nicht untergejubelt: eingekauft.
Inzwischen hat Hoeneß zum Hörer gegriffen. Er rief nicht DFB-Präsident Bernd Neuendorf an und auch nicht dessen Vize Hans-Joachim Watzke, sondern Kosicke selbst — den Mann, dessen Rolle er gerade öffentlich für falsch erklärt hatte. Gut und konstruktiv sei das Gespräch gewesen, so Sky. Wer sich beim Berater beschwert und nicht beim Verband, weiß ziemlich genau, wo die Machtzentrale liegt und inzwischen entschieden wird.
Kosicke ist seit dem 15. August Klopps „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“. Einen Tag vorher hat er die Geschäftsführung seiner Beraterfirma abgegeben. Beim DFB angestellt ist er nicht, er braucht das auch nicht. Ja, Klopp hat den DFB übernommen — so war es ja auch bestellt.

Das hat der Verband nämlich selbst gesagt. Neuendorf räumte schon am Anfang ein, die beiden seien so eng miteinander verwoben, dass man sie nur als Paket haben könne, und Kosicke bekomme Zugang bis in sein eigenes Büro. Unterschrieben hat das der DFB bei vollem Bewusstsein und mit Blick über das erste Länderspiel am 24. September in den Niederlanden hinaus.
Sein Vize Watzke hat Hoeneß noch entgegengehalten: „Die letzten beiden Bundestrainer kamen vom FC Bayern – mit Julian Nagelsmann und Hansi Flick. Da hat auch niemand gesagt, das ist ein Friendly Takeover des FC Bayern.“ Stimmt ja. Nur ging es Hoeneß nicht darum, woher die Trainer kamen, sondern wen sie mitbrachten — und Nagelsmann wie Flick kamen allein.
Warum der Verband trotzdem zugegriffen hat, sagt Watzke im selben Gespräch, ohne es zu merken: „Diese tiefe Depression, die wir alle empfunden haben, nachdem wir früh nach Hause fahren mussten, die ist in Deutschland fast schon zur Euphorie geworden.“ Dafür zahlt man. Ein Verband, der ein Turnier verstolpert hat, verhandelt nicht mehr — er gibt, was der Trainer verlangt.
Am wenigsten hält der Vorwurf gegen die Person, und der lässt sich ziemlich genau datieren. 2008 saß Kosicke, damals Marketingmann bei Nike, auf einem Flug zu einem Fifa-Termin neben Uli Hoeneß. Der fragte ihn, ob er so eine Unternehmens-Bibel, wie die Sportartikelhersteller sie führen, nicht auch für den FC Bayern entwerfen könne. Kosicke lieferte einen Wertekanon mit 16 Geboten. Übrig geblieben ist davon ein Satz: Mia san mia. Hoeneß sollte also aus eigener Erfahrung wissen, warum Klopp seinen Kosicke so dringend braucht.
Denn der Mann, den Hoeneß ohne Vorwarnung zum Fremdkörper im DFB erklärt, hat dem FC Bayern seinen wichtigsten Satz in die DNA geschrieben. Kosicke weiß, was er tut. Seine Agentur gründete er 2007 mit Oliver Bierhoff, dem späteren DFB-Direktor, und Julian Nagelsmann hat er bis 2021 beraten. Kosicke ist im deutschen Fußball keine neue Nummer. Neu ist nur, wo er jetzt sitzt.
Ein Rest der Kritik bleibt trotzdem stehen, auch wenn Hoeneß der falsche Mann dafür ist. Ein Klub gehört jemandem, ein Verband gehört seinen Mitgliedern: Was in München eine Personalentscheidung ist, ist in Frankfurt eine Verfassungsfrage. Klopps Vertrag läuft bis 2030, ein Länderspiel hat er noch nicht geleitet, und der Zugang bis ins Präsidentenbüro steht schon. Ein Trainer lässt sich entlassen. Eine Übernahme nicht.