Ist nach einer Bayern-Niederlage gegen Real alles schlecht, was gut war?

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über das Viertelfinal-Rückspiel des Rekordmeisters in der Champions League

Ist nach einer Bayern-Niederlage gegen Real alles schlecht, was gut war?
Foto: Imago / Sven Simon

Ich habe lange darüber nachgedacht, was ein Scheitern der Bayern heute im Champions-League-Rückspiel gegen Real Madrid bedeuten würde. Eines ist sicher: Egal, was in dieser Saison war – die Enttäuschung wäre (außerhalb Dortmunds) riesengroß, sollte der Rekordmeister in der Allianz-Arena verlieren.

Aber wäre es auch der übliche Totalschaden?

Bayern-Aus im Champions-League-Viertelfinale = Katastrophale Saison + Trainer wackelt.

Ob diese jahrzehntealte Fußballmathematik unter den aktuellen Umständen eigentlich noch gilt, ist die große Frage.

Was dafür spricht: die Geschichte. Eine Bayern-Saison ohne Halbfinale-Teilnahme in der Königsklasse war für objektive Beobachter, Analysten und Fans schon immer eine verlorene Spielzeit – vergleichbar mit einer Artemis-Mondmission, bei der alles klappt, und die Kapsel am Ende im Bodensee landet.

So gesehen, wäre auch eine Niederlage gegen Real Madrid (das Hinspiel gewannen die Bayern 2:1) eine Katastrophe.

Aber ist das diese Saison wirklich der Fall, oder greift vielleicht eine Sonderregel? Die Fakten:

  • Die Bayern spielen phantastischen und effektiven Fußball: 39 Siege aus 45 Pflichtspielen, nur zwei Niederlagen.
  • Fünf Spieltage vor Saisonende führen die Bayern die Bundesliga-Tabelle mit zwölf Punkten Vorsprung an.
  • Die Bayern sind laut Uefa-Klubkoeffizient diese Saison zweitbester Klub Europas hinter Arsenal.
  • Die Bayern haben ihren unglaublichen 101-Tore-Rekord aus der Saison 1971/72 am Wochenende auf noch unglaublichere 105 geschraubt – und es stehen ja weitere fünf Spieltage an. Hochgerechnet: 120 Tore.
  • Zum ersten Mal seit sechs Jahren: Halbfinale im DFB-Pokal.
  • Trainer Vincent Kompany strahlt eine Ruhe aus, die es lange nicht gab. Kein Theater, keine Machtkämpfe – klare Führung. Nach einem Aus gegen Real würde ernsthaft niemand seine Entlassung fordern.
  • Jamal Musiala, der beste deutsche Bundesligaspieler, hat 31 Pflichtspiele verpasst.
  • Michael Olise. 29 Assists, 17 Tore. Drei Vorlagen fehlen zu Lionel Messis legendärer Bestmarke aus 2011/12.
  • Harry Kane. Der Engländer spielt die Saison seines Lebens: 49 Tore bisher. Neunundvierzig.

Kann das alles wirklich in einem einzigen Spiel kaputtgehen?

Ich finde: nein. Wenn die Bayern heute 1:3 verlieren, wird in zehn Jahren niemand mehr darüber sprechen – sondern über die Saison, in der der scheinbar ewige Bundesliga-Torrekord fiel.

Wetten?


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