Infantino behauptet: "Positive Botschaften" nach FIFA-Brief
Der Präsident des Fußball-Weltverbandes berichtet von zustimmenden Reaktionen aus "verschiedenen Teilen der Welt".
FIFA-Präsident Gianni Infantino rührt im Machtkampf beim Fußball-Weltverband weiter die Werbetrommel in eigener Sache. "Ich habe aus verschiedenen Teilen der Welt positive Botschaften dazu bekommen", schrieb der Schweizer bei Instagram mit Blick auf seinen jüngsten Brief an die 211 Mitgliedsverbände, in dem er sich als versöhnender Erneuerer präsentierte und Reformen anregte: "Und es ist wichtig, dass wir weiterhin einander zuhören."
Der massiv unter Druck stehende Infantino, der am Mittwochabend bei der Eröffnung des Golf Cups in Saudi-Arabien auf der Tribüne saß, hatte am Montag mit seinem öffentlich gemachten Schreiben überrascht. Darin regte er eine "unabhängige, externe Prüfung" des FIFA-Regierungsstils und die Einbeziehung aller "relevanten Interessenträger" in Entscheidungsfindungen an.
Kritiker wie Bernd Neuendorf äußerten allerdings umgehend ihre Zweifel an der Glaubwürdigkeit des 56-Jährigen. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sprach von einem "durchschaubaren Manöver", mit dem sich Infantino "seine Wiederwahl sichern" möchte. Neuendorf beharrte darauf, dass der FIFA-Chef abtreten müsse.
Diese Kritik wies Infantino zurück. "Es geht nicht darum, positive Schlagzeilen zu erzeugen, sondern darum, das Richtige für den Fußball zu tun", schrieb der FIFA-Präsident: "Ich war noch nie entschlossener und engagierter, genau das zu tun. Die FIFA ist immer im Einsatz. Ich selbst bin immer im Einsatz und möchte hören, wie wir den Fußball weiterhin zum Nutzen aller und überall voranbringen können."
Infantino steht hinsichtlich seiner angestrebten Wiederwahl beim Kongress am 18. März des kommenden Jahres in Rabat/Marokko vor entscheidenden Wochen. Am 8. und 9. Oktober treffen sich in Berlin die Präsidenten und Generalsekretäre der europäischen Verbände. Es wird erwartet, dass die Europäische Fußball-Union (UEFA) dort einen Gegenkandidaten ins Rennen schickt. Die Frist für eine Nominierung läuft am 18. November ab. Als Favorit gilt der Kanadier Victor Montagliani, der Präsident der Konföderation für Nord-, Mittelamerika und die Karibik (CONCACAF).
Am 15. Oktober kommt das FIFA-Council um Neuendorf in Zürich zusammen. Im Vorfeld der Sitzung wurden bereits mehrere Anträge für die Tagesordnung gestellt, die sich gegen Infantino richten. Infantino will bei dem Treffen "den Dialog" über wichtige Themen fortsetzen: "Es muss eine Kultur des Dialogs geben, des Zuhörens und des gegenseitigen Respekts."
Davon will die UEFA nichts mehr wissen. Neben anderen fordern die Europäer Infantinos Rückzug und bereitet eine Strafanzeige gegen ihn vor. Hintergrund ist die Rolle des FIFA-Chefs beim inzwischen verworfenen Plan, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren auch aus dem Umfeld des US-Präsidenten Donald Trump zu verkaufen. Ziel der UEFA ist es, Infantino vor seiner angestrebten Wiederwahl zur Aufgabe zu bewegen.