Gladbach wechselt den Trainer – und bleibt doch Letzter
Alexander Blessin verliert sein Debüt in Köln. Die Entlassung von Eugen Polanski war ein Reflex, der das sportliche Problem am Niederrhein nicht trifft.
„Ich will aus der Scheißzeit eine gute Zeit machen“, hatte Alexander Blessin vor seinem Pflichtspieldebüt angekündigt. Eine Initialzündung sollte es werden, gegen den Erzrivalen, im 101. Rheinischen Derby. Herausgekommen ist ein 1:2 beim 1. FC Köln – und Borussia Mönchengladbach bleibt punktlos Liga-Schlusslicht.
Damit steht Gladbach nach dem Trainerwechsel genau da, wo es vorher stand: ganz unten, ohne Sieg, ohne erkennbaren Plan. Der Wechsel von Eugen Polanski zu Blessin war ein Reflex, kein Konzept. Er beruhigt die Umgebung für ein paar Tage, aber er trifft das sportliche Problem nicht.
Denn das Muster wiederholt sich fast ironisch genau. Für Polanski war nach vier sieglosen Spielen Schluss. Vier Spiele – das ist die Frist, nach der am Niederrhein offenbar ein Trainer fällt, nicht die Zeit, in der eine Mannschaft geformt wird. Dass ausgerechnet dieselbe Zahl, die Polanski den Job kostete, über dem Neuanfang hängt, sagt mehr über die Ungeduld als über die beiden Männer, die sie trifft.
Man kann einwenden, dass ein einziges Debütspiel gegen einen formstarken Rivalen kein Urteil über Blessin erlaubt, der die Mannschaft erst seit Kurzem kennt. Das stimmt. Said El Mala, Neu-Nationalspieler und Shootingstar der Kölner, entschied das Derby in der 67. Minute mit einem Schlenzer – gegen so einen Treffer ist auch der beste Trainerplan machtlos. Blessin hat kaum Trainingstage gehabt, um seine Idee in die Köpfe zu bringen.
Nur wird genau damit das Argument gegen den Wechsel selbst zum Argument. Wenn ein neuer Trainer nach wenigen Tagen noch nichts bewirken kann, dann war der schnelle Austausch des alten erst recht keine Lösung, sondern eine Verlegenheitsgeste. Man feuert einen Mann, dessen Nachfolger man anschließend Zeit zugesteht, die man dem Vorgänger verweigert hat.
Dabei lag am Samstag das Gegenbeispiel auf der anderen Bank. René Wagner stand mit vier Punkten aus vier Spielen „unter Beobachtung“, intern aber spürte er nach eigenen Worten „hundertprozentig“ Vertrauen. „Die Unterstützung ist da – aber der Kredit ist nicht unbegrenzt“, hatte er gesagt. Köln hielt an ihm fest, gewann das Derby und verschaffte ihm Luft. Zwei Klubs, zwei Antworten auf dieselbe Frage – und die ruhigere Hand stand am Ende als Sieger da.
Das eigentliche Beben aber kam nach dem 1:2, und es kam nicht von der Mannschaft. Gäste-Fans durchbrachen den Sicherheitszaun, lieferten sich Auseinandersetzungen mit Kölner Anhängern und schossen Raketen auf Unbeteiligte. Das Spiel wurde unterbrochen. Was sich da vor 50.000 Zuschauern in Köln-Müngersdorf abspielte, hat mit dem sportlichen Zustand der Borussia nichts mehr zu tun – und erzählt doch von derselben Krise.
Denn wer glaubt, ein Trainerwechsel löse, was in Gladbach schiefläuft, verkennt die Dimension. Auf dem Rasen steht ein Schlusslicht ohne Punkt, auf den Rängen brechen Zäune. Blessin soll beides zugleich wenden, mit einer Mannschaft, die er kaum kennt, in einer Lage, die längst über den Trainer hinausgewachsen ist.
Der Trainerwechsel hat in Mönchengladbach nichts gelöst, weil er die falsche Frage beantwortet hat. Nicht der Name auf der Bank war das Problem – es war der Glaube, dass ein neuer Name genügt.