Gladbach plant langfristig – zum sechsten Mal seit 2021

Ein Vertrag bis 2028 soll die Wende bringen. Doch bei Borussia hat noch kein Trainer die Zeit bekommen, die ihm bei der Vorstellung versprochen wurde.

Teilen
23.09.2026, xydrx, Fußball, Pressekonferenz Borussia Mönchengladbach, Offizielle Trainervorstellung im ista-Borussia-Park, Saison 2026 2027: Alexander Blessin (Cheftrainer Borussia Moencheng
Foto: IMAGO/HMB-Media

„Es war nie ein Feuerwehrmann gesucht“, sagt Rouven Schröder bei der Vorstellung von Alexander Blessin, und der Sportchef betont, „langfristig“ mit ihm zu planen. Blessin hat in Mönchengladbach einen Vertrag bis 2028 unterschrieben. Das klingt nach Ruhe, nach einem Plan, nach einem Klub, der endlich weiß, wohin er will.

Nur passt der Satz nicht zur Rechnung. Blessin ist seit dem Erreichen des Champions-League-Achtelfinals im März 2021 schon der sechste Cheftrainer in Gladbach. Wer in gut viereinhalb Jahren sechs Mal denselben Satz über Entwicklung und langfristige Planung sprechen lässt, produziert keine Entwicklung, sondern Trainerverschleiß.

Die Liste liest sich wie ein Adressbuch: Marco Rose, Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane, Eugen Polanski. Jeder von ihnen kam mit einem Vertrag, jeder mit einer Perspektive, jeder als der Mann für den nächsten Schritt. Keiner blieb lange genug, um ihn zu machen. Blessin, der 53-Jährige, ist der Nachfolger von Polanski – und tritt in eine Rolle ein, die in Gladbach die kürzeste Halbwertszeit im Verein hat.

Man kann sagen: Diesmal ist es anders, weil ein neuer Trainer mit Kontrakt bis 2028 und der Rückendeckung des Sportchefs genau die Ruhe bekommt, die dem Klub bisher fehlte. Genau das haben sie in Gladbach aber jedes Mal gesagt. Ein Vertrag bis 2028 ist keine Garantie für Geduld, er ist eine Absichtserklärung – und die ist bei den fünf Vorgängern reihum kassiert worden.

Dazu kommt die Ausgangslage, die dem Versprechen die Luft nimmt. Nach vier Spieltagen steht Borussia als Tabellenletzter da, ohne einen einzigen Punkt, mit 16 Gegentoren – dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte. Wer so startet, hat für Entwicklung schlicht kein Zeitfenster. Blessin selbst formuliert die Reihenfolge ganz ehrlich: „Die erste Aufgabe wird eine kurzfristige.“ Erst die Scharte auswetzen, dann die Entwicklung. Das ist die Sprache der Notlage, nicht die eines langfristigen Projekts.

Und Blessin weiß, worauf er sich einlässt. „Ich will aus der scheiß Zeit eine gute Zeit machen“, sagt er, und traut der Mannschaft zu, dass „man da mehr rauskitzeln kann“. Zugleich sieht er „ein paar Probleme, die man nicht wegdiskutieren kann“. Der Optimismus und der nüchterne Blick auf die Mängel stehen bei ihm im selben Satz – das ehrt ihn. Nur ändert es nichts daran, dass er ein Team übernimmt, das 16 Tore in vier Spielen zulässt und dessen Trainerbank seit 2021 ein Drehkreuz ist.

Los geht es nach der Länderspielpause am 11. Oktober beim Derby in Köln. „Die Bedeutung des Spiels ist mir klar. Ich freue mich wahnsinnig darauf“, sagt Blessin, der zuletzt zwei Jahre lang den FC St. Pauli trainierte – bis zum Abstieg 2026. Ein Derby als Einstand, ohne Punkt im Rücken, in einem Klub, der bei jedem Neuen zuerst von Geduld redet und dann keine hat: Das ist ein denkbar hartes Fundament für ein Wort wie „langfristig“.

Vielleicht ist Blessin der Trainer, der die Serie bricht. Bewiesen ist bislang nur das Gegenteil. Sechs Trainer in viereinhalb Jahren sind kein Zufall und kein Pech – das ist ein Muster, und Muster hält kein Vertrag bis 2028 auf.