Für diesen Auftritt in München sollte Leipzig eine Spendenquittung ausstellen
Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über das sächsische Debakel beim FC Bayern und einen überforderten RB-Trainer Martin Demichelis
Ich habe mich am Samstagabend, irgendwann zwischen dem 4:0 und 5:0 für die Bayern gegen Leipzig, zwei Dinge gefragt. Erstens: Ob die Gäste den Münchnern eine Spendenquittung ausstellen sollten. Zweitens: Was "Never change a winning team" eigentlich auf Spanisch heißt. Oder auf Sächsisch. Ich befürchte, die Übersetzung muss zwischen dem Champions-League-Sieg der Leipziger unter der Woche gegen Eindhoven und dem Duell mit Bayern verlorengegangen sein.
Martin Demichelis, der neue Trainer von RB, ein Argentinier, stellte nämlich trotz einer guten Leistung am Mittwoch seine Mannschaft aus unerklärlichen Gründen auf zwei wichtigen Positionen um, und nicht nur Sky-Experte Lothar Matthäus suchte in der Allianz-Arena 90 Minuten lang nach einer Erklärung dafür. Er fand keine. Das Spiel endete 6:1 für den Rekordmeister und bedeutete für Leipzig eine der größten Blamagen ihrer Bundesligageschichte.
"Trainingsspiel in der Allianz-Arena: Bayern demütigt trümmerhaftes Leipzig", schrieb der Kicker.

Für mich war das jedoch nur das Sahnehäubchen. Ich verstehe schon seit Sommer nicht, was in Leipzig los ist. Wie etwa jemand, der als Trainer bei lediglich einer Station vor ein paar Jahren (River Plate) Erfolge vorzuweisen hatte, aber ansonsten eher unbemerkt agierte, Trainer eines Topklubs wie RB werden konnte. Ich vermute, er bekam seinen Job, weil er mal ein sehr guter Fußballer war. Wie man das halt früher so gemacht hat.
In München tat mir Demichelis, der den erfolgreichen Ole Werner abgelöst hatte (musste trotz Platz drei – !!! – gehen), schon leid. Der 45-Jährige wirkte wie ein Fahrschüler, der gleich in Stunde 1 auf der Überholspur der A9 gelandet ist und seinen Lehrer fragt: "Was hat es eigentlich mit diesen drei Pedalen auf sich?"
Die Mannschaft war jedenfalls komplett ratlos. Als Rechtsverteidiger dilettierte zum Beispiel Lukas Klostermann, der seinen ersten Einsatz seit April bekam, obwohl Ridle Baku gegen Eindhoven sehr gut gespielt hatte. Beinahe fassungslos stellte Sky-Mann Wolff-Christoph Fuß gegen Ende der ersten Hälfte fest, dass Klostermann bei null gewonnenen Zweikämpfen stehe. Demichelis beobachtete das Geschehen auf dem Platz stoisch.
Die ganze Elf wirkte, als sei sie von einem Mechatroniker und nicht von einem guten Trainer eingestellt worden, in der Presse hagelte es zu Recht Sechsen. Demichelis entschuldigte sich anschließend bei den Fans, weigerte sich aber, seine Entscheidungen näher zu erklären (auch Stürmer Romulo wurde vermisst) – vermutlich, weil er sie selbst erst noch verstehen musste.
Nun versuche ich ja manchmal, das Positive im Negativen zu finden. Als einziger Lichtblick aus Leipziger Sicht fällt mir jedoch der Abpfiff ein. Der war wirklich super. Und vielleicht sollte man noch anführen, dass RB immerhin Bundesliga-Siebter ist – wenn man das Spiel in München 90 Minuten lang verfolgt hat, ist das ein echtes Wunder.
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