FC Arsenal im Finale - das weckt Erinnerungen an und bei Jens Lehmann

Der Ex-Torwart traut den Gunners den ganz großen Wurf zu - und adelt ihre Abwehr als Europas beste. Saliba, Gabriel, Raya statt Sturmglanz.

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FC Arsenal im Finale - das weckt Erinnerungen an und bei Jens Lehmann
Ulmer

Zwanzig Jahre ist es her, dass der FC Arsenal zuletzt in einem Champions-League-Finale stand. Am Dienstagabend holten die Gunners dieses Ticket zurück, 1:0 im Halbfinal-Rückspiel gegen Atlético Madrid, und plötzlich meldet sich auch der Mann wieder, der damals dabei war und der heute lieber nicht mehr allein über jene 18. Minute in Paris sprechen möchte. Jens Lehmann hat der Bild ein paar Sätze gesagt, die in ihrer Mischung aus Wunsch und Altlast bemerkenswert sind. „Ich hoffe, dass Arsenal vollendet, was mir nicht gelungen ist", sagt der 56-Jährige. Zwei Jahrzehnte liegen zwischen diesem Satz und dem Moment, den er beschreibt.

2006, Finale gegen den FC Barcelona, 18. Minute: Foul an Samuel Eto'o, Rote Karte, Feierabend. Arsenal ging in Unterzahl durch Sol Campbell in der 37. Minute sogar in Führung, ehe Eto'o in der 76. und Juliano Belletti in der 80. Minute die Partie drehten. 1:2, das war's. Lehmann sagte damals, er werde diese Szene „mit ins Grab" nehmen, und er hat heute, wenn er auf dieses Zitat angesprochen wird, immerhin genug Distanz, darüber zu lachen. „Die Aussage stimmt doch", sagt er, „wir reden ja jetzt wieder davon." Vor dem Finale werde sie bestimmt noch einige Male im Fernsehen zu sehen sein.

Das ist der Punkt, an dem die Geschichte aufhört, nur seine Geschichte zu sein. Denn während Lehmann sich mit einem Satz arrangiert, der ihn zuverlässig einmal pro Jahrzehnt einholt, schickt er der jetzigen Mannschaft von Mikel Arteta eine Einschätzung hinterher, die in ihrer Deutlichkeit überrascht. „Unsere Generation spielte zwar schneller. Bei uns galt unter Arsène Wenger der One-Touch-Fußball. Eine Ballberührung und sofort weiter. Die aktuelle Mannschaft von Trainer Arteta steht in der Defensive unglaublich gut. Die Innenverteidiger Saliba und Gabriel sowie Torwart Raya sind die wichtigsten Spieler. Das ist für mich die beste Abwehr Europas!"

Man muss bei Lehmann immer ein bisschen vorsichtig sein mit Superlativen, aber hier steckt eine Logik dahinter. Wenger baute Arsenal über Tempo und Kombination, Arteta baut es über Stabilität. Dass ein ehemaliger Torwart die Abwehr vor die Offensive stellt, wenn er der eigenen Elf einen Titel zutraut, ist keine Überraschung, sondern eine Berufskrankheit. Interessant ist trotzdem, dass er die Rangfolge so klar zieht: Saliba, Gabriel, Raya. Drei Namen, kein Stürmer dabei.