Erster Pokalsieg seit 1972! Podolski und der perfekte Moment zum Aufhören
Der Pokalsieg mit Zabrze wäre das logische Karriereende. Doch der 40-Jährige lässt sich eine Hintertür offen — menschlich, aber nicht konsequent.
Es gibt Bilder, die erzählen mehr als jede Pressemitteilung. Lukas Podolski, den Pokal über dem Kopf, im Warschauer Himmel, die Oberarm-Tattoos frei: das Kölner Stadtwappen links, der WM-Pokal rechts. Zwei Bilder, eine Biografie. Und wer Podolski verstehen will, muss nicht weiter suchen als bis zu diesen beiden Motiven. Am Samstag hat er mit Gornik Zabrze im Pokalfinale 2:0 gegen Rakow Czestochowa gewonnen. Den ersten Titel für den Bergmannsklub seit 1972. Fünf Jahre hat Podolski darauf hingearbeitet, in jenem Verein, der vor den Toren seines Geburtsorts Gliwice liegt. Es ist der Pokalsieg, auf den diese späte Episode seiner Laufbahn zugeschnitten war — und es ist, wenn man ehrlich rechnet, das logische Ende. Denn die Zahlen sind eindeutig. In einem Monat wird Podolski 41. Sein Vertrag läuft aus. Gegen Rakow kam er Sekunden vor dem Schlusspfiff, Joker, nicht mehr Stammkraft. 130 Länderspiele, Bundesliga-Debüt vor 23 Jahren, nationaler Pokal nun im fünften Land — nach München, London, Istanbul, Kobe. Eine Sammlung, die niemand mehr ergänzen muss, um etwas zu beweisen. Und trotzdem. "Der Plan war, dass dies die letzte Saison sein sollte", sagt Podolski, und man hört den Nebensatz schon, bevor er kommt. "Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein, denn dieser Europacup ist verlockend." Es ist die kleine, geöffnete Hintertür, durch die Profis seit jeher hinausschlüpfen, wenn das Wort "Abschied" eigentlich schon im Raum steht. Verlockend ist bei Podolski immer etwas. Das ist das Problem, und es ist zugleich sein Antrieb. Man darf das unsentimental benennen: Wer im Pokalfinale in der Nachspielzeit eingewechselt wird, hat sportlich keinen Grund mehr, ein weiteres Jahr anzuhängen. Der Europacup, den Zabrze über den Pokalsieg erreicht, ist eine Belohnung für die Mannschaft — nicht automatisch eine Einladung an den 41-jährigen Stürmer, der zuletzt Joker war. Hier zeigt sich die kleine Lüge, die viele Karriereenden begleitet: Man redet von der Familie, die "oft in den Hintergrund rückt", und hält sich im selben Atemzug die Option offen, sie ein weiteres Jahr hintanzustellen. Das ist menschlich. Nur konsequent ist es nicht. Das Heimatgefühl macht die Sache komplizierter. Podolski, geboren in Gliwice, hat in Zabrze nicht irgendeinen Vertrag unterschrieben, sondern eine biografische Klammer geschlossen. Köln auf dem einen Arm, Polen im Pass, der WM-Titel von 2014 als Fixpunkt dazwischen. Wer mit diesem Klub den ersten Pokal seit über einem halben Jahrhundert gewinnt, erlebt einen Moment, den keine Vertragsverlängerung vergrößern kann. Podolski sagt es selbst: "All die Menschen werden sich ihr Leben lang daran erinnern." Genau. Sie werden sich an diesen Pokal erinnern, nicht an ein sechstes Jahr auf der Bank. Dass er trotzdem zögert, ist kein Makel, sondern das eigentliche Phänomen. Podolski gehört zu jener Gattung Fußballer, die vom Spielen nicht genug bekommen, trotz Geschäftsführerposten, trotz Dönerbuden, trotz Medienpräsenz. Der Ball ist die Konstante, alles andere ist Anbau. Das erklärt die linke Klebe mit 23, das erklärt das lockere Mundwerk mit 30 — und es erklärt den 41-Jährigen, der auf dem Höhepunkt eines Karriereendes schon wieder nach vorn schaut. Der perfekte Moment für den Abschied wäre jetzt. Aber perfekte Momente sind bei Podolski nie das Ende. Sie sind die Einladung zum nächsten.