Lionel Messi: Nur im Fußball werden Engel, wenn sie groß sind, Götter

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel verneigt sich vor dem jetzt endgültig besten Fußballer aller Zeiten

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Lionel Messi: Nur im Fußball werden Engel, wenn sie groß sind, Götter
Foto: Imago / Pro Shots

Der beste Fußballer aller Zeiten? Diese Frage können wir zu den Akten legen. Sie wird nicht mehr benötigt, wir brauchen nur noch die Antwort: Lionel Messi.

Einmal wurde La Pulga, der Floh, als Kapitän Weltmeister, zweimal gewann er die Copa America, viermal die Champions League, viermal wurde er Weltfußballer. Und seit dieser Woche ist er bester Torjäger der WM-Geschichte. Also der ganzen, inklusive Pelé und Gerd Müller und Maradona und Miro Klose und Wembley und Wankdorfstadion.

Gegen Österreich und Algerien hat der Argentinier unfassbare fünfmal getroffen, womit er jetzt bei 18 WM-Toren steht – zwei mehr als der bisherige Rekordhalter Klose. Frankreichs Kylian Mbappé ist Messi mit 16 Treffern auf den Fersen; das Wasser reichen wird er ihm niemals können, sorry.

Klose sagte diese Woche der Süddeutschen Zeitung: "Der Messi ist kein Schlechter." Das war witzig. Aber wie sollte man das, was man hier sieht, beschreiben?

Cristiano Ronaldo, 41, sein Widersacher auf Erden, ist auch kein Schlechter, und er hat einen Haufen Titel gewonnen. Ich war einmal auf Madeira in seinem Museum. Ich habe selten etwas Beeindruckenderes erlebt: eine ganze Turnhalle voll mit Pokalen und Schalen und Fußballschuhen aus Gold. Aber Ronaldo sitzt vermutlich gerade im Spielerhotel der Portugiesen und kratzt trotz seiner beiden Tore gegen Usbekistan die Silikonfugen aus der Dusche.

Lionel Messi hat CR7, der dreimal Weltfußballer wurde, in den vergangenen Jahren systematisch und, um auf Nummer sicher zu gehen, noch einmal diese Woche abgehängt.

18 WM-Tore.

Messi ist der 1,70 Meter kleine Größte, den es in diesem Sport je gab.

Maradona? Keine Chance. Der Mann ist ein Legende, aber er lieferte nicht so systematisch und oft wie Messi, außerdem gab es für ihn weiße Linien nicht nur auf dem Rasen, was zur Abwertung führt, wie die Stiftung Warentest sagen würde.

Es ist eigentlich unfassbar, dass das schon so lange geht mit Messi. Sein erstes Spiel für den FC Barcelona ist fast 22 Jahre her. Am 16. Oktober 2004 wird er kurz vor Schluss für Deco eingewechselt, Ronaldinho empfängt ihn auf dem Rasen, aber viele Zuschauer haben sich bereits auf den Heimweg gemacht; denn Barça führt 1:0 gegen Espanyol, und man will ja nicht in den Stau geraten. Außerdem kennt niemand den Kleinen aus der zweiten Mannschaft.

Wären sie mal lieber geblieben. Heute können die wenigsten Barça-Fans sagen: Ich war dort, als es passierte. Das Magazin 11Freunde schrieb später:

In der Zeit, die eine Meise für einen Flügelschlag benötigt, hat Lionel Messi, der Junge mit der Nummer 30, zwei Verteidiger Espanyols ausgedribbelt, die ihm doch gar keinen Manövrierraum ließen. Und schon wieder senkt er den Kopf. Er rast auf Espanyols Außenverteidiger Hugo Ibarra zu, Ibarras Fuß schnappt nach dem Ball, da ändert Messi im Höchsttempo abrupt die Richtung. Der Ball bleibt eng an seinem Fuß, Ibarra reißt es angesichts Messis radikaler Drehung aus dem Gleichgewicht, der schwebt schon dem Tor, als sei es die Sonne, entgegen.  

 „Leo Messi“, schrieb die Tageszeitung El País am nächsten Morgen über das Debüt des 17-Jährigen, „spielt wie ein Engel“.

Heute feiert Messi seinen 39. Geburtstag. Nur im Fußball werden Engel, wenn sie groß sind, Götter.

Happy Birthday, Leo.


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