Englands Lehre aus der Leere

In zwei Jahren ist das Mutterland des Fußballs EM-Gastgeber - ist Thomas Tuchel für die Titelmission auf heimischem Boden noch der richtige Trainer?

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Englands Lehre aus der Leere
Foto: Imago / DeFodi

Von Andreas Asen

Für einen Perfektionisten wie Thomas Tuchel dürfte diese Niederlage besonders schmerzhaft sein. England war so nah dran, erstmals seit 1966 wieder ein WM-Finale zu erreichen – und scheiterte doch. Nicht allein an der individuellen Klasse des Gegners Argentinien, sondern auch, weil Tuchel in den entscheidenden Momenten beim 1:2 die falschen Antworten fand.

Seine Wechsel gingen nicht auf, seine Taktik war zu destruktiv. Der Trainer, der vor dem Spiel mehrfach angekündigt hatte, England müsse dem Gegner den eigenen Stil aufzwingen und das Spiel kontrollieren, ließ seine Mannschaft immer tiefer verteidigen. Mit dem Finale vor Augen verlor England den Mut – und zahlte dafür den Preis.

Vieles wirkte wie ein Rückfall in alte Muster. Schon unter Gareth Southgate fehlte England in den größten Spielen der letzte Schritt. Tuchel war angetreten, genau diese mentale Hürde zu überwinden. Im Halbfinale von Atlanta gelang ihm das nicht.

Dies hat Tuchel viel von dem Kredit gekostet, den er sich mühsam erarbeitet hatte. In zwei Jahren ist das Mutterland des Fußballs EM-Gastgeber - ist Tuchel für die Titelmission auf heimischem Boden der richtige Trainer? Für den Deutschen spricht, dass er öffentlich Rückendeckung aus der Mannschaft kommt.

Kapitän Harry Kane wird in zwei Wochen 33, viele andere Leistungsträger sind jünger. Jude Bellingham feierte während des Turniers seinen 23. Geburtstag, Anthony Gordon ist 25, die Mittelfeldspieler Elliot Anderson und Declan Rice sind 23 bzw. 27.

Das Potenzial ist also da - jetzt muss nur Tuchel die richtigen Schlüsse aus der Niederlage ziehen.