Ein Tor seit Mitte September: eine Zahl, die Schalke Angst macht

In Dresden verabschiedeten die eigenen Fans die Spieler frostig. Trainer Muslic nimmt die Stürmer in Schutz – und verdeckt, dass die ganze Elf vorne versagt.

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28.10.2026: Fußball: DFB Pokal, 2. Runde, Dynamo Dresden vs. Schalke 04 am 28.10.2026 Edin Dzeko (Schalke 04, 10) mit gesenktem Kopf WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL und des DFB
Foto: IMAGO/Kirchner-Media

Schwer geknickt trotten Schalkes Spieler mit hängenden Köpfen hinüber zu den Fans in Königsblau, die 600 Kilometer gefahren sind. Der Empfang ist frostig. Kein Applaus für eine Mannschaft, die beim Zweitligisten Dynamo Dresden gerade 0:2 verloren hat und in der zweiten Runde aus dem DFB-Pokal geflogen ist.

Wer dieses Bild als Momentaufnahme abtut, als überzogene Reaktion gefrusteter Anhänger auf einen schlechten Abend, liegt falsch. Die frostige Begrüßung ist die logische Quittung für eine Krise, die sich in eine einzige Zahl pressen lässt: Seit Mitte September hat Schalke 04 in Pflichtspielen genau ein Tor erzielt.

Youri Mulder, Direktor Profifußball, bringt die Stimmung selbst auf den Punkt. „Ich kann verstehen, dass die Fans sauer sind. Wir sind alle sauer“, sagt er. Fünf Spiele wartet der S04 wettbewerbsübergreifend auf einen Sieg. Das ist keine Delle, das ist ein Zustand.

Man könnte einwenden, Schalke sei schließlich gerade erst in die Bundesliga aufgestiegen und müsse sich am Alltag im Oberhaus messen lassen, nicht am Pokal. Ein Aus beim Zweitligisten täte dann weniger weh, als die Schlagzeile suggeriert, weil im Pokal ohnehin jeder mal rausfliegt. Das Argument hätte Gewicht, wenn die Torflaute an den Dresdner Abend gebunden wäre.

Ist sie aber nicht. Die harte Zahl misst keinen Pokalabend, sie misst Pflichtspiele seit Mitte September – Bundesliga eingeschlossen. Ein einziges Tor in all dieser Zeit produziert kein Verein, der sich im Oberhaus einrichtet. Das produziert ein Verein, der vorne komplett blockiert ist, egal gegen wen er spielt.

Trainer Miron Muslic wählt den eleganten Ausweg und legt sich schützend vor seine Angreifer. „Ich muss unsere Stürmer in Schutz nehmen. Wir müssen das als Mannschaft besser vorbereiten“, sagt er, das sei „eine Aufgabe für die gesamte Mannschaft und nicht nur für die beiden Spieler, die vorne im Sturm stehen“. Der Satz klingt nach Fürsorge. In Wahrheit verschiebt er das Problem von zwei Namen auf elf – und macht es damit erst recht größer.

Denn genau das ist die unangenehme Lesart: Wenn es nicht die Stürmer sind, dann ist es das Kollektiv. Mulder beschreibt präzise, was fehlt. „Wir kommen nicht in die Räume, aus denen wir gefährlich werden können“, sagt er. „Dafür musst du präziser spielen, auch mal einen Gegenspieler ausspielen und gemeinsam gute Aktionen nach vorne kreieren. Das fehlt uns momentan.“ Ein Abschlussproblem Einzelner ist das längst nicht mehr. Hier findet eine ganze Mannschaft den Weg zum Tor nicht.

Muslic hat recht, wenn er den Respekt vor den Anhängern betont. „Die meisten von ihnen sind heute 600 Kilometer gefahren, fahren jetzt wieder nach Hause und müssen morgen früh um acht Uhr bei der Arbeit sein“, sagt er. „Wenn wir dann nicht beklatscht werden, dann haben die Jungs das auch ein Stück weit verdient.“ Der Mann weiß genau, wer hier wem etwas schuldet.

Die Rechnung ist am Ende schlicht. Fünf Spiele ohne Sieg, ein Tor seit Mitte September, ein Pokal-Aus beim Zweitligisten – und niemand in Gelsenkirchen, der ernsthaft behauptet, das sei Pech gewesen. Der frostige Empfang in Dresden war keine Übertreibung. Er war die ehrlichste Analyse des Abends.