Ein gemütliches Clubheim als Seele des Vereins
Mit Neid blickt unser Kolumnist Gerd Thomas auf die Lokalitäten anderer Vereine, denn bei ihm in Schöneberg gibt es nicht einmal vernünftige Umkleidekabinen.
Urlaub in Bayern und nach langer Zeit mal wieder ein Besuch bei meinem Freund Michi Franke in München. Wir beide betreiben seit gut einem Jahr gemeinsam den Hartplatzhelden-Podcast, reden dort mit Experten und tauschen uns mit diesen über verschiedenste Dinge des Amateurfußballs aus. Auch wenn wir mit dem FC Internationale in die Verbandsliga aufgestiegen sind, während Michis FT Gern in der Kreisklasse aufläuft, bin ich neidisch. Denn das Vereinsumfeld bei ihm ist einfach schöner und heimeliger.
Besonders angetan bin ich vom schnuckeligen Clubheim der Gerner. Im Eigenbetrieb wird dort dem Vereinsleben gefrönt. Es gibt Dartscheiben, eine kleine Theke, gemütliche Sitzbänke und natürlich einen Fernseher, auf dem Länderspiele verfolgt oder Videoanalysen gemacht werden können. Und für Michi findet sich in der Ecke stets ein Arbeitsplatz. Die Oldies haben sogar eine eigene Hütte nebenan, alles liebevoll eingerichtet. Und vor der Tür gibt es nun auch noch Stockschießen.
Mit meiner Berliner Reisegruppe lernte ich bei unserem Freund Hendrik im brandenburgischen Luckenwalde die dortige Clubgaststätte „Seele“ kennen. Unglaublich nette Menschen umsorgen die Gäste, die Spieler haben einen eigenen Raum zum Essen oder für Besprechungen. Es fehlt an nichts, hat man zumindest den Eindruck. Fragt man die Menschen in München-Gern oder Luckenwalde, fällt auch ihnen noch einiges an Verbesserungsbedarf ein. Aber im Vergleich zum FC Internationale sind sie bezüglich der Räumlichkeiten auf der Insel der Glückseeligen.
Ein neuer Platz ohne Kabinen
Bei uns in Berlin-Schöneberg wurde vor vier Jahren der zwei Meter auf Bahngelände stehende Platz um 90 Grad gedreht. Wir haben uns mit Händen und Füßen für eine Korkfüllung im neuen Kunstrasen eingesetzt, denn der Untergrund ist schonend für die Gelenke, zudem ist Kork ein nachwachsender Rohstoff. Der Stadtrat tat so, als hätten wir vergoldete Torpfosten und mit Diamanten besetzte Eckfahnen gefordert. Dabei ging es uns nur um eine nachhaltige Bauweise.
Vor lauter Ärger oder Schreck oder warum auch immer vergaß er (Schuld bekamen natürlich die Leute in seinem Amt!!!) einen Kabinentrakt mitzubauen. Der alte war zwar kaum zumutbar, aber immerhin existent. Doch mit der ganzen Weisheit Berliner Behörden wurde der noch vor dem Platzneubau abgerissen. Nun hatten wir einen wirklich guten Kunstrasen, aber ohne Kabinentrakt, Platzwartraum und Cateringmöglichkeit. Es war, als hätten wir einen nigelnagelneuen Vereinsbus bekommen - nur ohne Räder.
Wir wiesen auf die Kabinen in der nahe gelegenen Sporthalle hin. Nein, die wären alle besetzt. Nach etwas Recherche stellte sich heraus, dass dies nicht stimmte, die Halle zudem in Teilen illegal unter der Hand an nicht berechtigte Gruppen vergeben war. Immerhin sorgte der inzwischen neue und nun leider schon wieder scheidende Sportstadtrat dafür, dass wir uns jetzt umziehen können. Aber der Weg zu den Kabinen ist gerade im Winter ein kleines Abenteuer.
Vereine sind in Berlin Bittsteller
Tatsächlich wurde vor einigen Wochen mit dem Neubau des Umkleidetrakts begonnen. Da der Platz an eine Schule angeschlossen ist - die allerdings nicht als solche dient - wurde kein Vereinsheim mitgeplant. Nicht einmal ein klitzekleines, denn der Bezirk hat kein Geld und kein Personal und irgendwie auch keine Lust. Dienstleistung ist nicht angesagt, Vereine sind bestenfalls Bittsteller.
Kleiner Tipp an alle, die gerade den Untergang des Berliner Abendlandes ausrufen: Die Linken waren gar nicht in der Regierung. Ob die ein größeres Herz für den Sport zeigen werden? Wir dürfen gespannt sein. Zunächst werden wir weiterhin Verbandsliga-Fußball mit kargen Rahmenbedingungen anbieten müssen. Wer die jüngste Sportschau-Doku zur Generation Warteliste ansieht, ist spätestens danach in Sachen Sportpolitik desillusioniert.
Erst im März reisen wir zwei Kilometer weiter nach Steglitz zu meinem langjährigen Mitstreiter Bernd Fiedler und seinem Verein Stern 1900. Dort steht das Nonplusultra der Berliner Vereinsheime, zumindest im Amateurfußball. Bernd hat vor vielen Jahren bei der Behörde einen Neubau durchgesetzt, vieles in Eigenregie. Im Clubheim gibt es eine gute Gastronomie und die Möglichkeit, Räume abzutrennen. Dort finden Vereinsfeste, Geburtstagsfeiern, Mieterversammlungen, Verbandssitzungen und Skatturniere statt.
Haftung und Denkmalschutz als Totschlagargumente
Inzwischen ist der Berliner Behördensumpf so tief, dass ein solches Unterfangen allen in den Amtsstuben die Schweißperlen auf die Stirn treiben würde. Auch wenn der verhinderte Tennisprofi im Bürgermeisteramt sich einer gut versteckten Verwaltungsreform rühmt, würde schon in der ersten Beratung fünfmal gefragt: „Aber wer trägt die Haftung?“ Die Bedenkenträger würden noch vor den obligatorischen Themen Brandschutz, Fluchtwege, Statik, Denkmalschutz, Grünflächenausgleich und Schutz der Beutelratten jegliches Engagement im Kern ersticken.
Einen Monat später geht es dann Richtung Müggelsee nach Schmöckwitz. Dort ist der Verein meines Freundes Jochen, der ein Vereinsheim aus alten DDR-Zeiten am Platz hat. Man mag kaum glauben, dass man dort noch in Berlin ist, alles wirkt sehr dörflich und verbindlich. Neben einem brauchbaren Sportplatz gibt es für alle die Möglichkeit, sich in Ruhe zusammenzusetzen. Bei Regen kann man reingehen, bei uns kann man den aushalten oder nach Hause gehen. Etwas weiter beim Friedrichshagener SV kann man direkt vom Platz ins Vereinsheim und dann schnurstracks ein paar Meter weiter zum Seebad am Müggelsee gehen. Ein Traum!
Der ganze Verein baut ein Clubheim
Nach dem sensationellen 2:1-Auswärtssieg meiner Ü60 (ohne Auswechselspieler) im zu Neukölln gehörenden Rudow, feierten wir im örtlichen direkt am Platz gelegenen Vereinsheim. Sogar einen Balkon mit Blick aufs Spielfeld gibt es, eine sehr gute Küche und vier Sorten Bier vom Fass, sogar bayerisches Helles. Eine riesige Spendenwand zeigt auf, wie man so ein Haus finanzieren kann: mit einer großen Solidargemeinschaft. Vom dort groß gewordenen Ex-Profi Christian Ziege über den Vorsitzenden bis zu den Eltern der verschiedenen C-Jugenden sind dort alle verewigt.
Über die vielen Clubheime, die ich in Oberfranken kennengelernt habe, wage ich gar nicht zu schreiben. Diese würden die Vorstellungskraft Berliner Sportpolitiker und Behördenangestellten eindeutig überfordern. Auch wenn ich nicht in der Kirche bin, bete ich zum Fußballgott, er möge uns nach den Wahlen einen ambitionierten und sportfreundlichen Stadtrat für Sport schicken. Immerhin ist unser Bezirksbürgermeister schon mal fußballaffin, wenn auch für den großen Sport. Er ist lebenslanges Mitglied beim SV Werder Bremen, und die Hansestädter sind findige Leute. Als gebürtiger Norddeutscher kann ich das beurteilen.