Dzekos Zukunftsfrage auf Schalke: Verhandlungsposition statt Bekenntnis

Sechs Tore in acht Spielen, dann der Verweis auf die WM. Der Stürmer hält sich offen – und Schalke sollte es genauso halten.

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Dzekos Zukunftsfrage auf Schalke: Verhandlungsposition statt Bekenntnis
IMAGO/Laci Perenyi

Ein 40-Jähriger steht im Mittelpunkt einer Aufstiegsfeier, lässt seine Instagram-Follower weit nach Mitternacht aus der Loge zuschauen und teilt ein Bild der leeren Arena mit einem großen, blauen Herz. Das ist, zugegeben, ein Bild, das man sich auf Schalke in den vergangenen Jahren schwer vorstellen konnte. Edin Dzeko, im Winter von AC Florenz gekommen, hat in acht Spielen sechs Tore erzielt und maßgeblichen Anteil am vorzeitigen Aufstieg. Und nun, nach dem 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf, bei dem er nach seiner Schulterverletzung als Joker zurückkehrte, lässt er die Frage offen, ob er bleibt.

Man kennt diese Sätze: „Man will nie aufhören, ich will auch nicht aufhören — Fußball ist mein Leben.“ Das klingt nach später Karriere, nach Routinier, der sich nicht vom Platz zwingen lässt. Interessanter ist der zweite Satz: „Mal sehen, was bei der Weltmeisterschaft passiert. Dann setzen wir uns zusammen.“ Dzeko knüpft seine Zukunft nicht an Schalke, sondern an ein Turnier, das er mit Bosnien-Herzegowina noch vor sich hat. Das ist keine Koketterie, das ist Verhandlungsposition.

Die Schalker Verantwortlichen haben signalisiert, ihn halten zu wollen. Man muss kein Finanzfachmann sein, um zu ahnen, dass ein 40-jähriger Mittelstürmer mit Bundesliga-Gehaltsvorstellung für einen Aufsteiger keine beiläufige Personalie ist. Aber man muss auch kein Romantiker sein, um zu sehen, dass Schalke gerade keinen zweiten Stürmer mit dieser Bilanz in der Kabine hat. Sechs Tore in acht Spielen, dazu eine Joker-Rolle nach Verletzung, die funktioniert — das ist der nüchterne Teil der Rechnung.

Der andere Teil ist der Satz, den Dzeko bei Nitro gesagt hat: „Ich bin nicht für die 2. Liga gekommen. Ich bin gekommen, um für einen großartigen Verein zu spielen.“ Das ist die Formel, mit der Schalke seit Jahren umworben wird und mit der Schalke sich selbst am liebsten beschreibt. Dzeko bedient sie präzise, ohne dass es peinlich wird. Er sagt damit auch: Die zweite Liga war der Umweg, nicht das Ziel. Und er sagt: Ich habe diese Entscheidung getroffen, und sie war richtig.

Was daraus folgt, ist offen. Dzeko feiert, mit Nikola Katic, mit Familie, mit Freunden, Timo Becker kündigt Bier und Sliwowitz an, das sind die Bilder, die gerade aus Gelsenkirchen kommen. Bilder, die nichts über den Sommer sagen. Ein Vertrag, der bis Sommer läuft, ist ein Vertrag, der bis Sommer läuft. Alles andere ist Tendenz, und Tendenzen haben im Profifußball eine kurze Halbwertszeit, besonders wenn eine WM dazwischenliegt.

Bleibt die Frage, ob Schalke einen 40-Jährigen in der Bundesliga braucht oder einen Stürmer, der die gesamte Saison durchspielt. Die ehrliche Antwort lautet: Beides wäre erstklassig, beides zusammen ist Dzeko nicht mehr. Wer in acht Spielen sechs Tore schießt und dann als Joker zurückkommt, ist ein Führungsspieler in Teilzeit. Das kann ein Aufsteiger gebrauchen, wenn der Rest des Kaders die Minuten liefert — und wenn der Verein bereit ist, die Rolle als Rolle zu akzeptieren, nicht als Hauptdarstellerposten.

Dzeko hat in seiner Karriere oft den richtigen Zeitpunkt für den nächsten Schritt gefunden. Dass er diesmal erst nach der WM entscheiden will, ist nicht Drohung, sondern Methode. Schalke sollte es genauso halten.