Die Eintracht schmiert ab – können in Frankfurt nur die Frauen kicken?

Die Adler gehen in Leipzig unter – Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel befasst sich nach dem 0:6 mit den Problemen des Champions-League-Teilnehmers der letzten Saison

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Noel Aseko (Eintracht Frankfurt, 15) Zweikampf, Duell, Kampf Andrija Maksimovic (RB Leipzig, 30) am Ball, GER, RB Leipzig vs. Eintracht Frankfurt, Fussball, 1. Bundesliga Herren, 5. Spieltag
Foto: IMAGO/Eibner

Zum Glück haben die Verantwortlichen der Eintracht im Sommer keine klaren Saisonziele ausgegeben, sonst müsste man die jetzt ausdrucken und an ihre Bürotüren nageln. Nach fünf Spieltagen und einem 0:6 bei den Leipzigern, die ja selbst mit dieser Spielzeit fremdeln, steht nämlich Frankfurt nur auf Platz 14 der Bundesliga. Sogar Klubs wie Schalke 04, HSV oder Elversberg, der Rust Belt des deutschen Fußballs also, sind besser dran.

Und alles schreit mal wieder: Krise!

Dabei hat die SGE noch vor neun Monaten in der Champions League gegen Tottenham Hotspur gespielt und 2022 einen Europapokal gewonnen. Da müssten die Ansprüche doch eigentlich höher und die Niederlagen, wenn sie sich schon nicht vermeiden lassen, niedriger ausfallen als null zu sechs. Ein Europapokalsieg ist jedenfalls heute von den Adlern weiter entfernt als Olympia von einem 100-Meter-Finale mit Joshua Kimmich auf Bahn 4.

Bei der Eintracht fängt es schon mit den Basics an: Wer einen Europapokal gewinnen möchte, sollte erst mal in einem Europapokalwettbewerb mitspielen dürfen. Doch im Oktober 2026 ist der Frankfurter Fußball europafrei – ich meine natürlich nur die Männer, die Eintracht-Frauen haben das Achtelfinale des Women's Europacups erreicht. Und in der Liga ist Relegationsplatz 16 nur einen Punkt entfernt. Ich meine natürlich wieder nur die Männer, die Eintracht-Frauen sind ja Bundesligadritte.

Vielleicht können ja in Frankfurt nur noch die Frauen kicken. Und die Männer, bereits vergangene Saison enttäuschender Achter, schmieren immer weiter ab.

Das Schlimmste daran: Keiner weiß genau, woran das liegt. Ich habe gesucht und nur Zustandsbeschreibungen gefunden. Liegt's an den Umstellungen des neuen Trainers Adi Hütter? 16 Gegentore hat Frankfurt in fünf Spielen unter dem Nachfolger von Albert Riera kassiert, alle halbe Stunde eins. Sollte da nicht alles besser werden? In Leipzig lief die Mannschaft von Sekunde eins an ein ums andere Mal ins offene Messer. Irgendwas kann also nicht stimmen mit der Hütter-Taktik.

Abwehrchef Robin Koch wurde am Samstagabend nach einer ersten Hälfte mit 25 Prozent gewonnenen Zweikämpfen ausgewechselt. Er habe ihn "erlöst", sagte Hütter hinterher: "Von einem Führungsspieler und Kapitän erwarte ich einfach etwas anderes. Wenn du 16 Tore bekommst und Leader in der Abwehr bist, dann setze ich irgendwann auch mal ein Zeichen. Das hat mir überhaupt nicht gefallen."

Sind das harte Worte, die auch bei den anderen Profis Wirkung zeigen sollen? Sind also die Spieler schuld? Oder macht John Wayne Hütter damit alles nur schlimmer? Immerhin fügte der Österreicher an: "Ich bin der Verantwortliche."

Braucht die Eintracht jetzt Zuckerbrot oder Peitsche?

Wenn wir schon bei der Fehlersuche sind: Macht man das denn überhaupt, einen ehemaligen Trainer einfach zurückzuholen? Gilt nicht auch im Fußball die abgewandelte eherne Regel "No Sex With Your Ex" – solange der Ex nicht Jupp Heynckes heißt?

Womit wir bei Sportchef Markus Krösche wären. Der Ex-Transferzauberer bastelt seit längerer Zeit erfolglos auf der Trainerposition herum und hat obendrein wieder einen Kader zusammengestellt, der nicht oben mitspielen kann – oder der sich eben erst noch finden muss. Keiner weiß das genau.

Nicht mal Verletzungspech kann zurzeit als Begründung herhalten. Ich habe das Gefühl: In Frankfurt weiß keiner weiter.

"Die Führungsspieler haben heute wieder versagt", sagte in Leipzig am Ende der Nationalspieler Jonathan Burkardt. Aber auch das war keine brauchbare Analyse, auf der man aufbauen kann, das hatte ja jeder Zuschauer selbst gesehen.


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