DFB gegen Infantino: Der Bruch ist ausgesprochen, der Herausforderer fehlt
Aus dem gescheiterten WM-Investorendeal ist eine Machtfrage geworden. Doch ohne Gegenkandidat bleibt die Anklage bis 2027 nur ein Wort.
Wenn ein Sportdirektor öffentlich von einem „irreparablen Vertrauensverlust" spricht, dann ist das kein Zwischenruf, sondern eine Positionsbestimmung. Andreas Rettig hat im Stern den Bruch des DFB mit Fifa-Präsident Gianni Infantino nicht angedeutet, sondern ausgesprochen. Und er hat betont, dass dieser Vertrauensverlust nicht nur den DFB betrifft. Damit verlässt die Debatte um den gescheiterten WM-Investorendeal die Sphäre der Verwaltungsprosa und wird zu dem, was sie längst ist: eine Machtfrage.
Bemerkenswert ist, wie präzise Rettig zwei Ebenen trennt. Da ist die Art und Weise – „Stichwort stilles Kämmerlein", die „unlauteren Köder", vor allem der „20-Millionen-Köder". Und da ist der Inhalt. Beides zusammen ergibt für Rettig ein Bild, das über einen einzelnen Vorgang hinausweist. Der Versuch, Anteile an der Fußball-WM und anderen FIFA-Turnieren an Investoren zu verkaufen, sei „in höchstem Maße ungehörig", weil hier ein „unbezahlbarer immaterieller Vermögenswert" verkauft werden sollte. Wer den Fußball als Vermögenswert begreift, den man in Tranchen abgibt, hat eine Grenze überschritten, die sich nicht durch Erklärungen wieder einziehen lässt.
Rettigs schärfster Satz ist zugleich sein leisester: Infantino habe sich „mittlerweile mit Menschen umgeben, die von außerhalb des Fußballs kommen". Das ist keine Beschimpfung, sondern eine Diagnose. Es beschreibt eine Entfremdung zwischen dem, der den Weltfußball führt, und dem Gegenstand, den er führt. Der Weg über „Überraschung, Zeitdruck" und die in Aussicht gestellte Summe ist die Methode einer Übernahme, nicht die eines Verbandes. Genau an dieser Stelle wird verständlich, warum Rettig nicht von Enttäuschung spricht, sondern von einem Punkt ohne Rückkehr.
Denn den „Point of no return" verortet er ausdrücklich: Diesmal „war der Punkt erreicht, an dem der Fußball als Ganzes beschädigt worden wäre." Das ist die entscheidende Wendung. Bisherige Konflikte innerhalb der FIFA ließen sich als Streit um Zuständigkeiten, Termine, Formate abtun. Hier aber steht nach Rettigs Lesart der Kern zur Disposition. Dass ausgerechnet UEFA-Präsident Aleksander Ceferin „den Rücken gerade gemacht und Position bezogen" habe, ist mehr als eine Personalie. Es markiert, dass der Widerstand organisiert und benennbar ist.
Und damit sind wir bei 2027. Rettig nennt keine Namen möglicher Gegenkandidaten – aber er nennt den Wunsch, „dass es überhaupt zu einer Wahl kommt". Dieser Satz ist entlarvend für den Zustand der FIFA. Wo ein Verbandsvertreter sich schon eine Wahl als solche wünschen muss, ist die Selbstverständlichkeit demokratischer Konkurrenz keine mehr. Der Investorendeal ist gescheitert, ja. Doch sein eigentliches Ergebnis ist ein anderes: Er hat die Machtfrage aufgeworfen, die vorher niemand offen stellte.
Ob aus diesem Bruch eine Bewegung wird, hängt davon ab, ob dem Wort die Kandidatur folgt. Rettig hat das Vertrauen für zerstört erklärt und den Schaden benannt, der abgewendet wurde. Das ist die Anklage. Was fehlt, ist die Alternative mit Gesicht. Bis dahin bleibt der Satz vom irreparablen Vertrauensverlust eine Feststellung, die 2027 einlöst oder verpufft – und Infantino wüsste, dass ein Bruch ohne Herausforderer folgenlos bleibt.
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