Deutschland legt nach – meinetwegen mit Tah und Sané

Bei Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel bricht vor dem zweiten WM-Spiel des DFB-Teams gegen die Elfenbeinküste jeder Widerstand

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Deutschland legt nach – meinetwegen mit Tah und Sané
Foto: Imago / Kirchner-Media

Ich habe die Weltrangliste überflogen. Mir ist aufgefallen, dass bei der WM von den Top 10-Teams bisher nur Argentinien, Frankreich, England spielerisch überzeugt haben. Und natürlich: die deutsche Mannschaft.

Habe ich das gerade wirklich geschrieben?

Die deutsche Mannschaft überzeugt bei der WM. Die deutsche Mannschaft überzeugt bei der WM. Die deutsche Mannschaft überzeugt bei der WM.

Ich lobe auf Halde – keine Ahnung, wie lange es dauert, bis ich wieder loben kann.

Würde das Turnier nach dem neuen Modus der Champions League ausgespielt, wäre das DFB-Team nach Spieltag eins aufgrund des Torverhältnisses sogar Tabellenführer. Da kommt der nächste Gegner Elfenbeinküste gerade recht.

Sieben Tore zum Start, zwei von Arsenals Kai Havertz, den sie in England den Lieferdienst nennen, wer hätte das gedacht? Ich nicht, egal, wer der Gegner war. Wir haben bei diesem Turnier schon zu viele Stolperer der Mächtigen erlebt, um einen Sieg gegen Curaçao kleinreden zu können. Spanien (amtierender Europameister), Portugal (Europameister 2016), Brasilien (unendlich oft Weltmeister), die Niederlande und Belgien holten in ihren Auftaktspielen zusammen fünf Punkte. Italien ist gar nicht erst anreist.

Zähneknirschend sage ich deshalb: Mein Gemecker über die deutsche Mannschaft – allgemeine Defensivschwäche, Sané-Taumel, Tah-Behäbigkeit, Musiala-ich-weiß-auch-nicht, Neuer, hmm – muss vor Spiel zwei am Samstag um 22 Uhr verstummen: Selbstverständlich darf gegen die Elfenbeinküste die Curaçao-Startelf ran. Alles andere wäre seltsam. Never change a winning team und so.

Also meinetwegen noch mal her mit Schleicher Jonathan Tah und dem verwirrenden Leroy Sané, den mit Ausnahme sämtlicher deutscher Nationalspieler und des gesamten deutschen Trainerstabes gegen Curaçao die ganze Welt schwach fand.

Ich behalte mir für den Fall einer Niederlage gegen den Afrikameister von 2024 natürlich vor, hinterher zu sagen, ich hätte es ja gewusst. Aber so richtig rechnen tu ich damit nicht. Die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann ist in Form und hatte einen guten Start; sie liegt bei dieser Weltmeisterschaft nach der ersten Kurve vorn, wenn ich mal eine Formel-1-Metapher anbringen darf.

Und sie hat vor allem noch keine schlechte Stimmungslage durchstehen müssen. Selbst der ausgebootete Torwart Oliver Baumann wirkte beim 7:1 gegen Curaçao am Spielfeldrand, als feuere er nach fünf Richtigen im Lotto die rollende sechste Kugel an.

Diese durchgehend gute Laune erinnert mich ein bisschen an die WM 2014.

Und ja, natürlich hat die Elfenbeinküste sehr gute Spieler, aber so gute dann auch wieder nicht. In den Kader schaffte es sogar ein gewisser Jean Michaël Seri – der Mann spielt für Nogometni Klub Maribor und ist laut transfermarkt.de 100.000 Euro wert. DFB-Marktwertschlusslicht Pascal Groß kostet 2,5 Millionen Euro, also das fünfundzwanzigfache.

Ich sage ja schon immer: Bei so einem Turnier kommt es auf die Kleinigkeiten an.


Das 7:1 unter den Büchern

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