Der HSV zahlt und zahlt: Wenn eine Geldstrafe zur ganz normalen Betriebsausgabe wird
Zwei sechsstellige Bußen in wenigen Monaten, dasselbe Verhalten. Verwaltet der DFB nur, statt zu lösen? Gewöhnung lässt sich nicht abkaufen.
Zwei Zahlen erzählen die Geschichte besser als jede Empörung: 153.000 Euro im Juni, 119.000 Euro jetzt. Der Hamburger SV wird für das Fehlverhalten seiner Fans zur Kasse gebeten, wieder und wieder, und man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass es nicht die letzte Strafe war. Das DFB-Sportgericht ahndet, was am 25. April vor und während des Spiels gegen Hoffenheim geschah: mindestens 50 Pyroartikel im Rahmen einer Choreo, mindestens 46 weitere zu Beginn der zweiten Halbzeit, ein Wiederanpfiff, der sich durch die Rauchentwicklung um knapp sieben Minuten verzögerte. Das ist kein Ausrutscher. Das ist ein Muster.
Bielefeld reiht sich ein, 125.000 Euro für Vorfälle beim Zweitligaspiel in Düsseldorf, wo mindestens 40 Pyroartikel gezündet, eine Rakete abgeschossen und mindestens zehn Feuerwerksbatterien abgebrannt wurden. Man kann diese Summen nebeneinanderlegen und feststellen: Der Apparat funktioniert reibungslos. Der Verstoß wird registriert, die Artikel werden gezählt, das Urteil wird gesprochen, das Geld fließt mittelbar fußballnahen Stiftungen zu. Ein sauberer Kreislauf. Nur löst er nichts.
Denn genau das ist der wunde Punkt. Eine Strafe soll abschrecken, Verhalten steuern, Wiederholung verhindern. Beim HSV tut sie nichts davon. Zwischen dem Dortmund-Spiel im März und dem Hoffenheim-Spiel im April liegen Wochen, zwischen Urteil und Urteil liegt der Sommer, und das Verhalten bleibt identisch. Wer im Juni 153.000 Euro zahlt und im selben Atemzug für ein zeitlich früheres Spiel erneut belangt wird, dem fehlt jede Kausalität zwischen Sanktion und Konsequenz. Die Geldbuße ist zur Betriebsausgabe geworden: eingeplant, verbucht, verkraftet.
Interessant ist der Passus, den der DFB der Strafe beilegt. Bis zu 39.650 Euro der 119.000 darf der HSV für eigene sicherheitstechnische oder gewaltpräventive Maßnahmen verwenden. Das ist der Versuch, aus der Bestrafung eine Investition zu machen, und im Grundsatz ist das der klügere Gedanke als das reine Kassieren. Aber es bleibt ein Angebot, kein Zwang, ein Drittel der Summe, das der Verein in die Hand nehmen kann. Ob er es tut und ob es wirkt, wird sich erst in der Rauchentwicklung des nächsten Heimspiels zeigen.
Man darf die Frage stellen, ob das System, das hier greift, überhaupt auf Lösung ausgelegt ist oder nur auf Verwaltung. Sechsstellige Beträge klingen nach Härte, aber Härte, die folgenlos verpufft, ist keine. Der DFB zählt Pyroartikel wie ein Buchhalter Belege, und die Vereine zahlen wie Kunden, die den Preis kennen und akzeptieren. Solange die Strafe billiger ist als der Verzicht auf das Spektakel, wird das Spektakel weitergehen.
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