Der größte Infantino-Gegner scheut das Risiko

Ceferin will Infantino stürzen, das ist klar, ihn ersetzen will er aber nicht - und so bestritt er jede Ambition auf das Amt als Chef des Fußball-Weltverbandes

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Der größte Infantino-Gegner scheut das Risiko
IMAGO/Mark Pain

Von Jonas Wagner

Einen potenziellen Herausforderer darf Gianni Infantino schon einmal streichen. Oder? Nun ja, der Name von Aleksander Ceferin stand natürlich auf jener imaginären Liste möglicher Kandidaten für die FIFA-Wahl, doch eine Kandidatur des UEFA-Chefs wäre eine größere Überraschung gewesen als die nun erfolgte Absage. Stattdessen droht er: Gianni, tritt zurück - oder jemand anderes fordert dich heraus! Aber mit Drohungen ist es ja so eine Sache. Was, wenn es ernst wird?

Ceferin will Infantino stürzen, das ist klar, ihn ersetzen will er aber nicht - und so bestritt er jede Ambition auf das Amt als Chef des Fußball-Weltverbandes, was vermutlich nicht die dümmste Idee ist. Die Europäer dürften schließlich mit einem Nicht-Europäer höhere Chancen besitzen, Infantino zu stürzen. Nicht nur, weil der FIFA-Präsident aktuell vor dem reichen, arroganten Europa warnt.

Und da kommt Victor Montagliani ins Spiel. Noch ist unklar, wann der kanadische Präsident der Verbände aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF) aus dem Schatten tritt und Infantino herausfordert. Zuvor will er wohl überzeugt sein, dass es eine realistische Chance auf den Sieg gibt. Das ist keineswegs sicher, Infantino kämpft im Hintergrund unermüdlich um Unterstützer.

Montagliani baut auf die Rückendeckung der UEFA. Offen ist, wie sehr die Mauer des Widerstands bröckelt, wie viele Abweichler es gibt, wie das Stimmungsbild aussieht. Der Staub, der durch den Machtkampf aufgewirbelt wurde, legt sich nur langsam. Zurücktreten, wie es Ceferin fordert, wird Infantino nicht.

Seinen persönlichen Verzicht auf eine Kandidatur begründete der UEFA-Boss derweil mit seiner Glaubwürdigkeit. Diese wird allerdings schon in der nächsten Woche bei der U20-WM der Frauen auf die Probe gestellt werden. Die Ankündigung, Turniere der FIFA als Reaktion auf Infantinos größenwahnsinnigen WM-Investorenplan boykottieren zu wollen, könnte sich als leere Drohung herausstellen, da ein Fernbleiben europäischer Teams bislang nicht in Sicht ist.

Glaubwürdig ist das nicht. Irgendwann muss aus der Drohung eine Handlung werden. Sonst bleibt viel Lärm – aber wenig Gefahr für Infantino.