Der BVB hat im Búndico nichts zu verlieren

Vor dem Spitzenspiel in München: Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über das neue Selbstverständnis der Dortmunder – sie machen sich vorsichtshalber schlechter, als sie sind

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Jobe Bellingham (Borussia Dortmund, 07), Serhou Guirassy (Borussia Dortmund, 09) (Torschuetze), Joane Gadou (Borussia Dortmund, 22), Felix Nmecha (Borussia Dortmund, 08) jubeln ueber das Tor
Foto: IMAGO/Eibner

Die Aussagen der Dortmunder und die Berichterstattung über sie haben mich in dieser Woche erstaunt. Das alles klang ein bisschen, als würde der BVB gerade im Mittelfeld der Liga stehen oder irgendwo ganz unten ums Überleben kämpfen.

Zu passiv kicken sie, hieß es. Unansehnliches Gekicke, igitt. Und die oberschwellige Kritik an der von BVB-Trainer Niko Kovac favorisierten Spielweise war nicht zu überhören. "Luft nach oben", sah selbst Dortmunds Geschäftsführer Lars Ricken.

Als der BVB am Dienstag beim 3:2 im Pokal gegen Bremen phasenweise schönen Fußball spielte, erschrak das ganze Stadion.

So viel (Selbst-)Kritik! Dabei stehen die Dortmunder bestens da, und das sage ich als eher stets kritischer Begleiter. Punktgleich mit Spitzenreiter FC Bayern sind sie Zweiter der Bundesliga, das Achtelfinale des DFB-Pokals haben sie erreicht, und in der Champions League ist der BVB mit sechs Punkten aus drei Spielen sogar vor den Bayern platziert.

Gar nicht schlecht für "Luft nach oben".

Der Grund für die Aufregung ist vielleicht: Morgen steht der Búndico an: FC Bayern gegen Dortmund, also ewiger Erster gegen meistens Zweiter. Aber es ist ein echtes Spitzenspiel diesmal. Und zu verlieren haben eigentlich nur die Münchner was.

Der Rekordmeister ist nämlich haushoher Favorit (Wettquote 8:1 für einen Auswärtssieg des BVB), stellt den neuen Ballon-d'Or-Gewinner Harry Kane und den ständig Ballon-d'Or-mäßig spielenden Michael Olise und überhaupt die beste Mannschaft Deutschlands. Die Dortmunder wiederum bieten, scheinbar ohne es zu wissen, eine sehr, sehr ordentliche Saison: zwei Unentschieden, eine Niederlage, ansonsten alle Spiele gewonnen. Und sie machen sich vorsichtshalber schlechter, als sie sind, scheint mir.

Wie geht das nur aus?

Zum Glück gibt's für solche Fälle Lothar Matthäus. Er sprang diese Woche als Pressesprecher des BVB ein. Die Defensivleistung der Dortmunder? Sei zu „loben“. Der BVB? „Bereit für dieses Duell.“ Diese Saison? „Erfolgreich.“

Der Ordnung halber: Der ehemalige Weltfußballer ist natürlich nicht so verrückt, einen Auswärtssieg zu prognostizieren – die Bayern sind wie immer haushohe Favoriten, zumindest theoretisch. Aber Matthäus spürt: So aussichtslos, wie es scheint, ist die Sache nicht. Dortmund spielt nämlich solide, vor allem hinten: Der BVB hat sowohl in der Bundesliga als auch in der Königsklasse weniger Tore kassiert als der große deutsche Bruder FCB, bei dem Abwehrchef Jonathan Tah unter der Woche gegen Magdeburg mal wieder hüftsteif auftrat.

Wie geht das nur aus? Die Bayern haben zwar noch kein Saisonspiel verloren, aber schon unschlagbarer gewirkt.


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