"Da geht die Post ab": Mexiko feiert perfekten WM-Auftakt
Erst bringt Shakira die Massen im Aztekenstadion zum Kochen, dann folgt die große Fußball-Party des Gastgebers gegen Südafrika.
Nach einer spektakulären Eröffnungsfeier startet Mexiko mit einem Sieg gegen Südafrika in die WM. Für Gesprächsstoff sorgen gleich drei rote Karten.
Mexiko-Stadt (SID) Torjäger Raúl Jiménez strahlte und formte mit seinen Händen ein Herz für seine Liebsten, durch das legendäre Aztekenstadion dröhnten Mariachi-Klänge. Manch mexikanischer Nationalspieler sank nach dem gelungenen Auftakt gar zum Gebet auf die Knie. An einem denkwürdigen Fußball-Abend in Mexiko-Stadt mit drei Roten Karten hat der Gastgeber die größte WM der Geschichte erfolgreich eröffnet.
Nach einer spektakulären Eröffungsfeier, in der Latino-Queen Shakira die 80.000 Zuschauer verzauberte, bezwang "El Tri" am Ende nur noch neun Südafrikaner verdient mit 2:0 (1:0). Julian Quinones, der bei Al-Qadisiya in Saudi-Arabien sein Geld verdient, nutzte in der 9. Minute einen bösen Schnitzer von Südafrikas Mittelfeldspieler Yaya Sithole zum ersten Treffer der 23. Weltmeisterschaft, Jiménez (67.) legte in der zweiten Halbzeit mit einem Kopfball nach.
"Ich bin sehr glücklich und emotional, denn ich habe das erste Tor geschossen. Das Stadion ist spektakulär, es war voll. Die Fans standen hinter uns von der ersten Minute an. Es war entscheidend, dass wir die ersten drei Punkte eingefahren haben", sagte Quinones im ZDF.
Südafrikas Sithole wurde letztlich zum Pechvogel des Spiels, er sah nach einer Notbremse die Rote Karte (50.) - wie sein Mitspieler Themba Zwane sechs Minuten vor dem Abpfiff wegen einer Tätlichkeit und der Mexikaner César Montes (90.+2) wegen einer Notbremse.
Dank des ersehnten Sieges in der Neuauflage des WM-Eröffnungsspiels von 2010 (1:1) in Johannesburg darf Mexiko, neben den USA und Kanada einer der drei Ausrichter der ersten WM mit 48 Nationen, schon auf die K.o.-Runde hoffen.
Bereits vor dem Anpfiff brachte Pop-Superstar Shakira die Fans in der ikonischen Arena, in der schon die Weltmeisterschaften 1970 und 1986 eröffnet worden waren, zum Tanzen. Als Höhepunkt einer knallbunten Eröffnungsfeier mit vielen Latino-Rhythmen, Feuerwerk in Landesfarben und einem WM-Pokal im XXL-Format performte sie mit dem nigerianischen Künstler Burna Boy den WM-Song "Dai Dai".
"Eine unglaubliche Atmosphäre, da geht die Post ab", schwärmte DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der eigens angereist war, am ZDF-Mikrofon. Als dann auch noch der italienische Star-Tenor Andrea Bocelli gesungen hatte, reckte FIFA-Präsident Gianni Infantino der Masse im Beisein des mexikanischen Hollywood-Stars Salma Hayek die echte WM-Trophäe entgegen. Es konnte endlich losgehen.
Während in der Arena die große Fußball-Sause stieg, kam es außerhalb aber auch zu tumultartigen Szenen. Nachdem das Stadtbild seit Tagen von groß angelegten Protesten, unter anderem von der Lehrergewerkschaft, bestimmt worden war, drängten am Donnerstag Tausende Anhänger in die Fanzone auf dem berühmten Marktplatz Zócalo.
Wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, hatten Metallbarrieren, die in den vergangenen Tagen wegen der Proteste aufgestellt worden waren, den Zugang erschwert. In Stadionnähe kam es zudem zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.
Im Aztekenstadion wirkten die Mexikaner von der ohrenbetäubenden Kulisse vom Start weg wie beflügelt. Stürmer Jiménez (5.) prüfte Südafrikas Torwart Ronwen Williams früh. Vier Minuten später war dieser dann machtlos, als Sithole den Ball am eigenen Strafraum an Érik Lira verlor. Quinones vollstreckte eiskalt durch Williams' Beine.
Von den Südafrikanern kam offensiv kaum etwas, weshalb die Partie deutlich abflachte. Erst kurz vor der Halbzeit zog Mexiko wieder etwas an, Jiménez (42.) scheiterte an Williams, Quinones nur Augenblicke später am Pfosten.
Nach der Pause agierte Südafrika vor allem defensiv keineswegs sattelfest. Schlussmann Williams (46.) spielte Mexikos Álvaro Fidalgo den Ball am Sechzehner direkt in die Füße, doch der Favorit nahm das Geschenk nicht an. Als Sithole kurz darauf den enteilten Brian Gutierrez als letzter Mann von den Beinen holte, geriet Südafrika nur noch mehr unter Druck. In Überzahl machte Mexiko alles klar, Jiménez riss mit seinem Kopfballtor sogar Box-Superstar Saúl "Canelo" Álvarez vom Sitz.