Chelseas Rekordverlust entlarvt: Finanzregeln im Fußball schützen nur die reichen Klubs

Der Londoner Klub meldet über 260 Millionen Pfund Minus – und bleibt straffrei. Kleinere Vereine würden für weniger Punktabzug kassieren.

Chelseas Rekordverlust entlarvt: Finanzregeln im Fußball schützen nur die reichen Klubs
IMAGO/Sports Press Photo

262,4 Millionen Pfund Vorsteuerverlust. Nicht bei einem Klub in der Krise, nicht bei einem Absteiger – bei einem Verein, der im selben Geschäftsjahr die Conference League und die Klub-WM gewann, den zweithöchsten Umsatz seiner Geschichte einfuhr und in der Premier League Vierter wurde. Chelsea hat gerade den größten Verlust der Premier-League-Geschichte veröffentlicht, ein Drittel mehr als Manchester Citys bisheriger Rekord von 197,5 Millionen Pfund aus der Saison 2010/11. Und die Finanzregulierung? Sie schaut zu.

Der Klub selbst nennt „gestiegene Betriebskosten" als Ursache. 490,9 Millionen Pfund Umsatz standen auf der Habenseite – Fernsehgelder, Klub-WM, Conference-League-Titel. Trotzdem: ein Minus von über einer Viertelmilliarde. Das ist kein buchhalterischer Ausrutscher. Das ist ein Geschäftsmodell, das Verluste einpreist, weil es sich darauf verlässt, dass die Regeln es zulassen.

Genau hier liegt das Problem. Chelsea wurde als konform mit den Profitability-and-Sustainability-Regeln der Premier League eingestuft – jenen PSR, die Maximalverluste von 105 Millionen Pfund über drei Jahre erlauben, aber bestimmte Ausgaben für Frauenfußball und Nachwuchsförderung herausrechnen. Im Vorjahr wies Chelsea sogar einen Gewinn von 128,4 Millionen Pfund aus, der allerdings durch den Verkauf des Frauenteams an die eigene Tochtergesellschaft Blueco Midco für fast 200 Millionen Pfund begünstigt worden war. Regelkonform – und gleichzeitig ein Lehrstück darin, wie Bilanzkonstruktionen Regulierung aushebeln.

FC Chelsea: Was das Ganze zur Farce macht

Dazu passt, was erst im März bekannt wurde: Chelsea räumte ein, unter dem früheren Eigentümer Abramowitsch Zahlungen von rund 47,5 Millionen Pfund nicht offengelegt zu haben – Verstöße im Zeitraum 2011 bis 2018. Die Strafe: 10,75 Millionen Pfund Geldbuße, die höchste in der Geschichte der Premier League, plus eine zur Bewährung ausgesetzte Transfersperre. Kein Punktabzug. Die Liga begründete das mit der „außergewöhnlichen Kooperation" der neuen Eigentümer. Auch die UEFA hat Chelsea zur Kasse gebeten: rund 27 Millionen Pfund wegen Verstößen gegen die Football-Earnings-Regel und die Squad-Cost-Ratio. Überwachung über drei Jahre.

Nur: Was bedeutet Überwachung bei einem Konsortium, das seit der Übernahme 2022 mehr als eine Milliarde Pfund für Spieler ausgegeben hat? Clearlake Capital hält 61,5 Prozent der Anteile. Das ist Private-Equity-Logik im Fußball – investieren, skalieren, den Marktwert treiben. Geldstrafen von zehn oder 27 Millionen Pfund sind in dieser Kalkulation Rundungsfehler, keine Abschreckung.

Allerdings muss man anerkennen: Die neuen Eigentümer haben die Verstöße der Abramowitsch-Ära selbst gemeldet. Chelsea hat Titel gewonnen, spielt erstmals seit 2022/23 wieder Champions League und steht auf Platz sechs. Es gibt ein sportliches Argument für die Investitionen. Aber dieses Argument gilt nur für Chelsea – nicht für die Klubs, die mit einem Bruchteil des Budgets um dieselben Plätze kämpfen und bei Regelverstoß mit Punktabzug rechnen müssen.

Das System bestraft die Kleinen und verwaltet die Großen. 262,4 Millionen Pfund Verlust – und am Ende steht eine Bewährungsstrafe, ein Monitoring und die stille Gewissheit, dass Investorenklubs sich die Regeln leisten können, die andere disziplinieren sollen.