Carro kritisiert strukturelle Probleme im deutschen Fußball
Für den Klubboss von Bayer Leverkusen ist zudem eine moderne Infrastruktur entscheidend.
Das erneut frühe Scheitern Deutschlands bei der Fußball-WM ist nach Ansicht von Bayer Leverkusens Klubboss Fernando Carro auf strukturelle, politische und kulturelle Probleme in der deutschen Gesellschaft zurückzuführen. "Es muss mehr in die Nachwuchsförderung investiert werden, einschließlich einer engeren Verzahnung von Schule und Sport", sagte der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten der Nachrichtenagentur AFP.
Für Carro ist zudem eine moderne Infrastruktur entscheidend. "Projekte, die diese Bedingungen verbessern sollen, werden zu oft durch Bürokratie und langwierige Entscheidungsprozesse ausgebremst", sagte der Spanier, der seit 2018 als Vorsitzender der Geschäftsführung in Leverkusen tätig ist.
Carro nannte als Beispiel, dass Leverkusen seit fast einem Jahrzehnt auf die Genehmigung für ein neues Trainingszentrum warte, obwohl der ursprüngliche Umfang des Projekts bereits reduziert worden sei. "Das ist nur ein Beispiel für eine weitaus größere Herausforderung hier in Deutschland", sagte er.
Vorbild könnten die drei europäischen WM-Halbfinalisten sein. "Man kann immer von anderen Ländern und Systemen lernen. Mit Spanien, England und Frankreich hat man drei der vier WM-Halbfinalisten quasi direkt vor der Haustür. Das sind ähnlich entwickelte Fußballnationen, die konsequent in moderne Infrastruktur und Akademien sowie in die Ausbildung von Trainern und Spielern investiert haben", so Carro.
Das DFB-Team war bei der WM schon im Sechzehntelfinale an Paraguay gescheitert, 2018 und 2022 war sogar schon nach der Gruppenphase Schluss gewesen. Als neuer Bundestrainer soll nun Jürgen Klopp die Wende schaffen. Carro betonte jedoch, dass der ehemalige Liverpool-Coach die Probleme des deutschen Fußballs nicht im Alleingang lösen könne.
"Jürgen Klopp hat in seiner Karriere Großes geleistet und verdient dafür Respekt", sagte er. "Doch ein Trainer allein kann langfristige und strukturelle Herausforderungen nicht lösen. Mindestens ebenso wichtig sind die Rahmenbedingungen: ein starkes und modernes Konzept zur Nachwuchsförderung, eine hochmoderne Infrastruktur, klare Leistungsprinzipien und die Bereitschaft zum Wandel."