Bayer Leverkusen setzt auf Trainer Iraola: Der Bruch mit Hjulmand scheint besiegelt
Der Werksklub verhandelt final mit dem Basken aus Bournemouth. Damit beginnt die Post-Alonso-Ara nicht als Fortsetzung, sondern als eigenes Projekt.
In Leverkusen ist die Trainersuche offenbar in der Zielgeraden. Wie der Kicker berichtet, befindet sich Bayer in "finalen Verhandlungen" mit Andoni Iraola, dem 43 Jahre alten Spanier, der bislang den AFC Bournemouth trainiert hat. Iraola soll Kasper Hjulmand beerben, dessen Vertrag eigentlich bis 2027 läuft, der den Klub in der abgelaufenen Saison aber nur auf Platz sechs geführt hat. Auch Sky berichtet, dass der Werksklub auf eine Verpflichtung "drängt" und auf eine "schnelle Zusage" hofft.
Dass es überhaupt so weit kommt, ist bemerkenswert. Hjulmand hatte nach dem zweiten Spieltag übernommen, die Rückrunde verlief dann schwach, am Ende stand der sechste Platz, und damit die offenkundige Erkenntnis, dass dieser Übergang nicht funktioniert hat. Ein Vertrag bis 2027 schützt in solchen Fällen wenig. In Leverkusen heißt das: zweiter Trainerwechsel binnen eines Jahres, mit allem, was daran hängt – Personalplanung, Ansprache der Mannschaft, sportliche Identität.
Der Weg zu Iraola war nicht der erste Versuch. Filipe Luis, lange als Kandidat gehandelt, hat abgesagt; der Brasilianer steht laut Medienberichten vor einer Unterschrift bei AS Monaco. Damit musste die Bayer-Spitze die Liste neu sortieren. Auch Oliver Glasner, der am Mittwoch mit Crystal Palace den Titel in der Conference League gewann, wird laut Medienberichten in Leverkusen als Kandidat geführt. Aber die konkreten Gespräche laufen offenbar mit Iraola.
Sportlich ist die Wahl nachvollziehbar. Iraola hat in seinen drei Jahren beim AFC Bournemouth jeweils einen neuen Punkterekord aufgestellt, zuletzt blieb sein Team in 18 Premier-League-Spielen ungeschlagen, der Klub verpasste als Tabellensechster die Qualifikation für die Champions League nur knapp. Das ist eine Entwicklungskurve, die in einer der härtesten Ligen Europas entstanden ist, gegen Gegner mit deutlich größerem Etat. Wer drei Jahre in Bournemouth so arbeitet, hat einen Plan und eine Methode, nicht nur eine gute Saison.
Hinzu kommt ein Detail, das in Leverkusen niemand überlesen wird: Iraola ist - wie Bayers Meistertrainer Xabi Alonso - Baske. Das macht aus ihm noch keinen zweiten Alonso, und es wäre ein Fehler, ihn mit dieser Erwartung zu empfangen. Aber es deutet zumindest auf ein Profil hin, das die sportliche Führung gesucht zu haben scheint: jung im Trainergeschäft, mit eigener Handschrift, ohne den Ballast eines klassischen Nachfolgers, der die direkte Erbschaft antreten müsste. Die Post-Alonso-Ära beginnt damit nicht als Fortsetzung, sondern als eigenständiges Projekt.
Dass Iraola überhaupt verfügbar ist, hat seinen eigenen Grund. Den Abschied aus Bournemouth hatte er bereits im April angekündigt, sein Nachfolger steht fest: Der frühere Dortmund- und Leipzig-Coach Marco Rose übernimmt an der Südküste. Die Konstellation passt also – auf der einen Seite ein Klub, der einen Trainer mit Erfahrung und klaren Ideen sucht, auf der anderen Seite ein Trainer, der ohnehin gehen wollte und nun einen größeren Rahmen finden kann.
Bleibt die Frage, ob die Zusage so schnell kommt, wie Bayer sie sich offenbar wünscht. Die Verhandlungen sind weit, abgeschlossen sind sie noch nicht. Für Hjulmand verdichtet sich das Bild dagegen unmissverständlich.