Mario Basler über Michael Olises Platzverweis: Ein Fall von Arroganz

Nach dem Spiel gegen Viking Stavanger sieht er die Münchner so schlecht wie lange nicht – und macht die Rote Karte zur Charakterfrage.

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STAVANGER, NORWAY; 13. OCTOBER: pictrue of Michael OLISE (FC Bayern Munich 17) with Ball under his Shirt during the Champions League Match between Viking FK vs. FC Bayern Munich at Matchday
Foto: IMAGO/Beautiful Sports International

Höchstens 100 Sekunden, mehr Zeit gibt sich Mario Basler nicht. In seinem täglichen Format „Basler des Tages“ bei der Schweizer Audio-Plattform Yuvoi spricht er sonst über die erste und zweite Bundesliga und die Nationalmannschaft, in der aktuellen Folge hat er sich das Spiel der Bayern gegen Viking Stavanger vorgenommen. Das Urteil steht schon im Titel: „So schlecht habe ich die Bayern lange nicht mehr gesehen!“

Dabei bleibt er nicht bei der Mannschaft stehen. Beim Platzverweis von Bayern-Profi Olise wird aus der Spielkritik eine Charakterfrage: „Die Rote Karte von Olise hat mit Arroganz zu tun!“ Das ist der härtere Vorwurf. Wer einem Spieler einen verlorenen Zweikampf ankreidet, kritisiert eine Szene; wer ihm Arroganz unterstellt, kritisiert eine Haltung.

Auch Joshua Kimmich ist Thema der Folge. Im Mittelpunkt steht aber Olise, und der Satz über ihn ist der, der hängen bleiben soll.

Ein Platzverweis ist meist ein Moment, eine Sekunde zu spät, ein Schritt zu viel. Arroganz dagegen lässt sich vom Bildschirm aus nicht messen, eine Rote Karte schon. Wer aus dem einen das andere liest, schaut in einen Kopf, in den von außen niemand hineinsehen kann – auch kein Experte im 100-Sekunden-Takt. So gelesen ist Baslers Satz eine Unterstellung, die Olise kaum widerlegen kann, weil sie gar nicht auf das Foul zielt.

Und doch hat der Vorwurf einen Kern. Basler zählt den Auftritt gegen Viking Stavanger zu den schwächsten der Bayern seit Langem. Wenn eine Mannschaft so spielt, wie er sie beschreibt, und dann noch einen Mann verliert, liegt die Frage nach der Einstellung halt nahe. Dann ist die Rote Karte für Basler kein Einzelfall mehr, sondern das Symptom eines schwachen Abends.

Wem nützt die Zuspitzung? Zunächst Basler und Yuvoi selbst. Ein Format, das sich auf höchstens 100 Sekunden beschränkt, lebt von Sätzen, die man weitererzählt, und die Plattform bietet die Zitate ausdrücklich zur Weiterverwendung an. Das macht Baslers Urteil nicht falsch. Es erklärt aber, warum aus einer Roten Karte gleich ein Charakterurteil wird.

Ob der Vorwurf stimmt, weiß nur Olise. Hängen bleibt er trotzdem: Wer bei den Bayern an einem Abend vom Platz fliegt, an dem die Mannschaft so schlecht spielt wie lange nicht, bekommt von Mario Basler kein Pech bescheinigt, sondern Arroganz.