Basler gegen Lennart-Karl-Hype: Zwei Spiele machen keinen Star!

Der Europameister hält Bayern-Talent für überschätzt und fordert einen Pflicht-Ruhetag für Trainer. Sein Befund: Es wird zu schnell geurteilt.

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25.10.26 SC Freiburg - FC Bayern München Deutschland, Freiburg, 25.10.2026, Fussball, Bundesliga, Saison 2026 2027, SC Freiburg - FC Bayern München: Lennart Karl (FC Bayern München). *** Oct
Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel

Zwei gute Spiele, und schon hat Deutschland einen neuen Superstar: Gegen genau diesen Reflex redet Mario Basler in der aktuellen Podcast-Folge von „Basler ballert“ an. Der Europameister nimmt sich Bayerns Nachwuchsspieler Lennart Karl vor, gewohnt direkt: „Lennart Karl ist ganz, ganz weit weg von einem Superstar.“ Das Potenzial spricht er ihm dabei gar nicht ab, nur den Rang, den ihm andere schon zugeschrieben haben.

Gemeint ist damit weniger der Spieler als die Maschine um ihn herum. „Wir sind bei zwei guten Spielen, und schon sind es alle Superstars, riesengroße Talente, alle müssen zur Nationalmannschaft. Und das ist auch ein großer Fehler von unseren Journalisten, die immer wieder da reindrücken: Der muss zur Nationalmannschaft. Nee, muss man nicht.“ Das ist die Linie der ganzen Sendung: Im Fußball wird zu schnell geurteilt, über Talente wie über Trainer. Basler hält Karl für überschätzt, und die Verantwortung dafür sieht er bei denen, die ihn hochschreiben.

Seinen Maßstab legt er offen. Karl stecke gerade in einer Formkrise, sagt Basler, und ein Stammspieler beim FC Bayern sei für ihn jemand, der Woche für Woche spielt, auch gegen die Großen: „Wenn du gegen Arsenal oder Borussia Dortmund von Anfang an spielst und deine Leistung bringst, dann kannst du darüber reden.“ Sein Fazit fällt entsprechend aus: „Er muss es unter Beweis stellen. Und wenn ich ehrlich bin, ich zweifle nach wie vor dran, dass es der Superstar wird.“ Auch Said El Mala vom 1. FC Köln nennt er ein großes Talent, warnt aber davor, ihn zur alleinigen Lösung für die Kölner Probleme zu machen.

Dabei hat der Rummel um Karl ja einen Grund, und Basler liefert ihn selbst: „Er hat in seiner ersten Bundesligasaison gute Spiele gemacht und Tore erzielt.“ Ein Talent, das beim FC Bayern trifft, wird diskutiert, das gehört zum Geschäft, und eine Debatte über die Nationalmannschaft ist auch eine Form von Anerkennung. Wer dem Jungen jetzt die Superstar-Perspektive abspricht, urteilt im Grunde genauso schnell wie die, die sie ihm zuschreiben – nur in die andere Richtung, und mitten in einer Formkrise.

Das gilt halt auch für die Folge selbst. Die Mitteilung zur Sendung stellt ausgerechnet das Karl-Urteil ganz nach oben, und der Verriss eines Bayern-Talents ist eine Schlagzeile wie jede Lobeshymne. Baslers Kritik an der Aufregung trifft damit auch das Geschäft, in dem er selbst arbeitet. In der Sache hat er trotzdem recht, denn zwei gute Spiele belegen noch keine Karriere.

Denselben Befund überträgt Basler auf die Trainerbank. Anlass ist die Diskussion um Bayern-Trainer Vincent Kompany und die Frage, wie viel ein Cheftrainer Woche für Woche leisten muss. Baslers Antwort ist bemerkenswert konkret: „Ich würde meinem Cheftrainer, wenn ich in der Vorstandschaft wäre, einen Tag sagen: Du bleibst zu Hause“, sagt er. Und weiter: „Bleib du zu Hause, kümmere dich um deine Familie, geh Kaffee trinken, geh spazieren, wie auch immer. Ich würde das verpflichtend für einen Trainer machen.“

Das Argument dahinter ist schlicht: Die Klubs haben große Trainerstäbe, Co-Trainer und Athletiktrainer könnten Einheiten übernehmen, während der Chef Abstand gewinnt. „Wenn dann noch erwartet wird, dass er 18 Stunden am Tag arbeitet, kann das auf Dauer nicht gesund sein.“ Der Pflicht-Ruhetag ist damit die brauchbarste Idee der Folge, weil ein Vorstand sie ohne Transfer und ohne Trainerwechsel umsetzen könnte. Den Druck von außen nimmt sie allerdings nicht weg, und den sieht Basler wieder bei den Medien: „Das Negative verkauft sich natürlich besser, als wenn man immer schreiben muss, Kompany ist der Beste, ist der Größte.“

Beim Blick auf den anstehenden Klassiker zwischen Bayern München und Borussia Dortmund urteilt Basler dann selbst ohne Zögern. „Am Schluss ist das Spiel gegen Bayern das Wichtigste“, sagt er und rechnet vor: „Wenn Dortmund gegen Bayern wieder verliert, wie in den vergangenen Jahren, dann kann Bayern drei Punkte wegziehen.“ Den Sieg gegen Frankfurt lässt er als Argument nicht gelten: „Mit der Leistung der letzten Wochen glaube ich nicht daran.“ Für den BVB wird das Spiel in München damit zur Probe, ob der Titelanspruch trägt.

Die übrigen Bundesligisten liefern ihm die Belege für seine Geduldsthese. Dem VfB Stuttgart attestiert er kein spielerisches Problem, sondern einen Mangel im Abschluss: „Sie haben halt nur, ich würde jetzt mal in Anführungsstrichen sagen, eine Torchancen-Krise.“ Borussia Mönchengladbach gratuliert der selbsternannte heimliche Fan zum ersten Saisonsieg: „Als heimlicher Gladbach-Fan bin ich natürlich froh, dass die Gladbacher das Spiel gewonnen haben.“ Und Werder Bremen dient ihm als Beispiel dafür, dass sich Vertrauen in den Trainer auszahlen kann: „Im Moment macht Werder Bremen Spaß.“

Am Ende der Sendung wird Basler leise. Mit Blick auf die gesundheitliche Situation von Vincent Kompany und den Verlust in der Familie von Joshua Kimmich erzählt er vom Tod seines Vaters, der mit 63 Jahren an einem Herzinfarkt über Nacht starb, und wendet sich direkt an Kimmich: „Mein herzliches Beileid. Ich weiß, wie schwer das ist.“ Dann holt er eine eigene Niederlage hervor: „1999, wir haben ein Fußballspiel verloren. Wir haben keine Familienmitglieder verloren und keinen Krieg verloren. Es war am Schluss nur ein Fußballspiel und das sollte man nicht vergessen.“

Es ist der stärkste Moment der Folge, weil er die Forderung nach Geduld vom Sportlichen ins Menschliche verlängert. „Es gibt am Schluss immer noch wichtigere Dinge, als dass man ein Fußballspiel verliert“, sagt Basler. Wer das ernst nimmt, ruft nach zwei guten Spielen keinen Superstar aus und nach zwei schlechten keinen Trainer zum Abschuss.