Auch die WM 2026 wird zum Sportswashing-Fest – und die FIFA macht mit
167.000 Festnahmen in den WM-Städten, Fans aus vier Teilnehmerländern dürfen nicht einreisen.
167.000 Festnahmen. Das ist keine Schätzung einer Lobbygruppe, das sind die Zahlen der US-Behörden selbst, zusammengetragen von Human Rights Watch für die 15 Monate zwischen Januar 2025 und März 2026 – und zwar ausschließlich für die elf US-amerikanischen WM-Städte und deren Umland. In genau diese Städte rollt in weniger als zwei Monaten das größte Fußballturnier der Geschichte ein. Wer jetzt noch von einem "unpolitischen Sportfest" spricht, hat entweder die Nachrichten der letzten anderthalb Jahre verschlafen – oder er hat ein Interesse daran, dass wir sie verschlafen.
Minky Worden, Direktorin für globale Initiativen bei HRW, hat den Satz gesagt, den die FIFA am liebsten ungehört ließe: Die WM drohe zu einem "Sportswashing-Fest für die Trump-Regierung" zu werden. Das ist keine Parole. Denn ein Weltverband, der ein Turnier in ein Land vergibt, in dem eine Einwanderungsbehörde sechsstellige Festnahmen in den Austragungsorten produziert, kann sich nicht hinter der alten Formel verstecken, man bringe Menschen zusammen. Dieses Turnier bringt auch jene in Reichweite einer Behörde, vor der andere flüchten.
Der Riss wird noch deutlicher, wenn man auf die Tribünen schaut. Fans aus Iran und Haiti fallen unter den Einreisebann, der seit Juni 2025 gilt; auch Anhänger aus der Elfenbeinküste und dem Senegal müssen laut HRW damit rechnen, gar nicht erst einreisen zu dürfen. Vier WM-Teilnehmer, deren Mannschaften auf dem Platz stehen – während ihre eigenen Kurven vor der Tür abgewiesen werden. Eine Weltmeisterschaft, die ganze Anhängerschaften aussperrt, ist keine Weltmeisterschaft mehr. Sie ist ein Heimspiel mit Zuschauerwahl.
Und die FIFA? Gianni Infantino hat im April 2025 ein FIFA-Büro im Trump Tower eröffnet. Er ließ einen Kongress in Paraguay warten, weil er einer Trump-Reise den Vorzug gab – die UEFA protestierte öffentlich. Im Weißen Haus wurde eine Task Force zur WM eingerichtet, Vorsitz: der Präsident persönlich. Das ist nicht die übliche protokollarische Nähe zwischen Ausrichter und Gastgeber. Das ist eine politische Umarmung, Foto für Foto dokumentiert. Wer sich so dicht an eine Regierung stellt, deren Politik HRW als "zunehmenden Autoritarismus" beschreibt, kann nicht gleichzeitig behaupten, man halte Distanz.
Man muss der FIFA zugutehalten: Die Gastgeberentscheidung fiel 2018, lange vor Trumps zweiter Amtszeit. Mexiko und Kanada sind mit im Boot, nicht alles spielt sich auf US-Territorium ab. Und ja – der Verband hat Schutzmaßnahmen versprochen, für Athleten, Delegationen, Offizielle. Nur: Worden spricht nicht über Offizielle. Sie spricht über Fans. Über Arbeiter. Über Menschen, die ein Stadion betreten wollen, ohne ein Risiko einzugehen, das ein Fußballspiel niemals rechtfertigen darf.