Auch die Schweiz entzieht Infantino die Unterstützung
Der Fußballverband seiner Heimat wird den FIFA-Präsidenten bei der nächsten Wahl nicht mehr unterstützen.
Auch in seiner Heimat kann FIFA-Boss Gianni Infantino künftig nicht mehr auf Rückendeckung bei seiner angestrebten Wiederwahl setzen. Wie der Zentralvorstand des Schweizer Fußballverbands (SFV)am Mittwoch bekannt gab, sei beschlossen worden, "die im Juni 2026 erklärte Unterstützung für die Kandidatur von Gianni Infantino für eine weitere Amtszeit als FIFA-Präsident zurückzuziehen".
Grund dafür sei "eine umfassende Neubewertung der Entwicklungen der vergangenen Monate", teilte der SFV mit, die Entscheidung fiel bereits bei der letzten Sitzung des Verbandes am 25. September: "Aus Sicht des SFV werfen verschiedene Vorgänge grundlegende Fragen zu Führung, Governance, Transparenz und Entscheidungsprozessen innerhalb der FIFA auf."
Damit schließt sich der SFV einer Reihe europäischer Länder wie Frankreich, Italien und England an, die dem aus dem Kanton Wallis stammenden Schweizer bereits vor mehreren Wochen öffentlich die Unterstützung entzogen hatten. Gegenwind gibt es indes von allen Seiten, auch Europas Top-Ligen haben sich inzwischen in den Machtkampf beim Weltverband eingemischt und umfassende Erneuerungen gefordert.
Unterstützung erhielt der FIFA-Präsident dagegen aus Lettland. "Gianni Infantino leistet so viel, dass man es unmöglich in einer Minute aufzählen kann. Ich bin ihm aber sehr dankbar für die weltweite Unterstützung, seinen Beitrag zur Entwicklung des Fußballs, und natürlich steht Lettland immer an seiner Seite", sagte Präsident Vadims Lyashenko am Rande der Eröffnung des neuen Verbandsbüros: "Er kann auf unsere Unterstützung zählen."
"Für den SFV sind Glaubwürdigkeit, Transparenz, Rechenschaftspflicht sowie der wirksame Einbezug der statutarisch zuständigen Organe unverzichtbare Voraussetzungen für das Vertrauen in die Führung des internationalen Fußballs und die Integrität der FIFA", hieß es in der Mitteilung der Schweizer weiter, diese Grundlage sehe der Zentralvorstand "heute nicht mehr als erfüllt an". Jedoch bedeute der Entscheid "keine Abkehr von der konstruktiven Zusammenarbeit innerhalb der FIFA und der internationalen Fußballgemeinschaft".
Seit Wochen laufen teils hitzige Diskussionen über die Rolle des FIFA-Chefs beim inzwischen verworfenen Plan, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren auch aus dem Umfeld des US-Präsidenten Donald Trump zu verkaufen. Neben anderen fordert die Europäischen Fußball-Union (UEFA) Infantinos Rückzug und bereitet eine Strafanzeige gegen ihn vor.
Der FIFA-Chef steht hinsichtlich seiner angestrebten Wiederwahl beim Kongress am 18. März des kommenden Jahres in Rabat/Marokko vor entscheidenden Wochen, zuletzt schlug der 56-Jährige mit einem Brief an die Präsidenten der Kontinentalverbände, an die er weitere Gelder ausschütten möchte, wieder versöhnlichere Töne an.