Anders als in Dortmund und Liverpool
Nach der historischen Niederlage gegen Griechenland sollte dem letzten deutschen Vier-Sterne-Fan klar sein, dass es für den Weg zurück in Richtung Weltspitze keine Abkürzung gibt - nicht mal für Klopp.
Jürgen Klopp kennt das zur Genüge. Aus Mainz oder aus Dortmund, wo er über Jahre Aufbauarbeit leistete, vor allem aber aus Liverpool, wo es länger dauerte als irgendwo sonst in seiner heute ruhmreichen Trainerkarriere, bis sich der Erfolg einstellte. "Trust the process", hieß es auf der Insel - glaubt bitte auch in schweren Phasen daran, dass ich alles zum Guten wenden werde. Versprochen!
Versprochen? In Liverpool konnte Klopp täglich mit seiner Mannschaft arbeiten, er konnte sie mit millionenschweren Schlüsseltransfers qualitativ auf ein höheres Niveau heben - und trotzdem dauerte es fast vier Jahre bis zum ersten Titelgewinn. Das schmälert nicht Klopps Leistung, zeigt aber, wie viel Geduld im Fußball mitunter gefordert ist.
Klopp hat sie auch bei seinem DFB-Mammutprojekt verdient und völlig recht damit, dass es niemandem hilft, schon nach zwei Spielen alles in Schutt und Asche zu reden. Nach der historischen Niederlage gegen Griechenland sollte dem letzten deutschen Vier-Sterne-Fan klar sein, dass es für den Weg zurück in Richtung Weltspitze keine Abkürzung gibt - nicht mal für Klopp.
Und erst recht nicht für diese deutsche Mannschaft. Denn auch das zeigte der Neustart: Klopps personelle Experimente sind alternativlos, auf Sicht wird er weitere alte Zöpfe abschneiden müssen - für seinen peitschenden Heavy-Metal-Stil braucht er unverbrauchte Jungmusiker, die er nach seinem Bilde dirigieren kann.
Für die Fans heißt das, dass sie wohl noch viele Misstöne erdulden müssen. Pfiffe wie vereinzelt bei der Rückkehr der Stehplätze im ansonsten stimmungsvollen Augsburg sind dabei nicht zuträglich. Auch das kennt Klopp zur Genüge - und hat es zu Recht kritisiert. Also: Trust the process! Hilft ja nix.