Abgang eines Realisten: Pascal Groß erklärt DFB-Rücktritt
Ein Tor, eine Vorlage, ein 3:0 gegen Arsenal – und trotzdem sagt der 35-Jährige Nein zu Jürgen Klopp. Wer so aufhört, weiß, wann sein Fenster zu ist.
Ein Tor und eine Vorlage richten zum 3:0 gegen den englischen Meister FC Arsenal: Pascal Groß hat am Samstag im Trikot von Brighton & Hove Albion so ziemlich alles geliefert, was ein Mittelfeldspieler an einem Nachmittag liefern kann. Und dann, vor der Sky-Kamera, kein Wort über Rückkehr, kein Türspalt, den er offenlässt. „Ich bin schon zurückgetreten. Für mich war's das nach der WM“, sagt er.
Das ist der bemerkenswerte Teil an diesem Tag. Nicht das Spiel, sondern der Satz danach. Wer nach der besten Vorstellung seines Klubjahres den Schlussstrich unter die Nationalmannschaft bestätigt, argumentiert nicht aus Frust und nicht aus Form. Groß geht am eigenen Höhepunkt – und genau das macht seinen Abgang zum Abgang eines Realisten.
Denn die Zahlen tragen das ja. 19 Länderspiele, ein Treffer. Sein Debüt gab er erst 2023, mit 32 Jahren, unter dem damaligen Bundestrainer Hansi Flick – ein Alter, in dem andere über das Karriereende nachdenken, nicht über das erste DFB-Trikot. Julian Nagelsmann nahm ihn danach mit zur WM in den USA, Mexiko und Kanada. Für einen Spätberufenen war das die volle Ernte.
Man könnte sagen: Ausgerechnet jetzt, wo er gegen Arsenal zeigt, dass er es noch kann, verlässt einer die Auswahl, der ihr in einer Umbruchphase gutgetan hätte. Ein Mann für die schwierigen Wochen, einer, der die Bälle festmacht, wenn ringsum die Jungen zittern. Wer will darauf verzichten?
Doch genau das ist die Denkweise, die einen Umbruch verhindert. Groß wünscht „der neuen Generation nur das Beste“ – und meint damit, dass Platz gemacht werden muss, damit sie überhaupt entstehen kann. Ein 35-Jähriger, der nach der WM noch drei, vier Turniere blockiert, ist keine Brücke, sondern ein Deckel. Er hat das früher verstanden als viele, die man erst hinausschieben musste.
Aus dem DFB-Team waren nach dem WM-Debakel schon Manuel Neuer und Antonio Rüdiger zurückgetreten, beide Stützen über Jahre, beide mit deutlich mehr Länderspielen im Rücken. Groß reiht sich da ein, ohne dass es ein Bruch wäre. Er kam spät, er blieb kurz, er geht rechtzeitig. Von der ersten Nominierung bis zum Abschied vergingen kaum mehr als zwei Jahre.
Das Selbstbild eines Spielers erkennt man daran, wie er sich einordnet, wenn niemand ihn drängt. Groß hätte an diesem Samstag jede Bühne gehabt, um sich zurückzureden. Ein Tor, eine Vorlage, das Publikum im Rücken – und trotzdem sagt er, was er im Sommer schon entschieden hat. Kein Zaudern, keine Bedingung.
Der ehrlichste Rücktritt ist der, den man nicht aus der Niederlage ableitet, sondern aus dem Sieg. Groß liefert ihn genau dann, wenn ihn keiner erwartet: am Tag seiner besten Leistung.