6 Dinge, die sich für den WM-Sieg 2034 ändern müssen
Das Aus und die Maßnahmen: Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über das dritte Debakel der deutschen Mannschaft in Folge
Wir alle, die außerhalb der DFB-Blase leben, haben es kommen sehen: Deutschland hat sich bei einer WM zum dritten Mal in Folge bis auf die Knochen blamiert. Und das, obwohl die Gegner immer besiegbarer wurden: Mexiko, Südkorea und Japan, diesmal Ecuador und Paraguay. Der tiefste Tiefpunkt ist also erreicht, und alle Ausreden liegen benutzt im Restmüll.
Deutschland braucht jetzt keine Reform, sondern eine Revolution – sechs Dinge, die sich sofort ändern müssen, um 2034 Weltmeister zu werden.
Erstens: Julian Nagelsmann muss gehen
Deutschland war noch nie schlechter als jetzt, und der Bundestrainer ist für mich der Hauptschuldige. Die Spieler kommen erst danach – schließlich stand Nagelsmann der fünftwertvollste Kader der Welt zur Verfügung. Sie können's also eigentlich. Uneigentlich hat Nagelsmann "reingeschissen", wie Kai Havertz sagen würde.
Die unschöne Folge: Wir werden schon von den seit 60 Jahren titellosen Engländern ausgelacht. Gary Lineker hat gesagt, dies sei "eine der schwächsten deutschen Mannschaften", die er je gesehen habe. Von Lineker ist übrigens das Statement "Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball hinterher, und am Ende scheiden die Deutschen aus" (aktualisierte Version).
Julian Nagelsmann ist erst 38 Jahre alt, und früher war er mein Liebling. Doch er stagniert seit einer ganzen Weile. Er hat entweder keine Ideen oder kriegt sie nicht an den Mann – was ihn zum Gegenteil von Jürgen Klopp macht.
Nach dem Aus gegen Paraguay habe ich nachgeschaut, was ich am Tag nach dem EM-Aus 2024 gegen Spanien geschrieben hatte: "Dem deutschen Team fehlte am Ende ein mit allen Wassern gewaschener Trainer im Carlo-Ancelotti-Style." Passt heute noch. Dabei ist seither 730-mal die Sonne aufgegangen. Doch knapp 730-mal ist nichts passiert. Nagelsmann muss jetzt gehen.
Zweitens: Jürgen Klopp wird Bundestrainer
Eigentlich ist es ein Glücksfall: Der beste Trainer der Welt ist Deutscher. Und Jürgen Klopp hat Zeit. Deutschlands Trainer-Porsche 911 Turbo S steht meistens in der Garage.
Offiziell ist der 59-Jährige aber als "Head of Global Soccer" bei Red Bull angestellt. Der Titel passt ganz gut, weil Klopp erst kürzlich Leipzigs Trainer Ole Werner um einen Head kürzer machte. Ansonsten macht er braungebrannt Vergnügungsreisen (Olympische Spiele, WM-Experte für Magenta).
Aber jetzt muss Jürgen Klopp Bundestrainer werden, er schuldet es Deutschland. Falls sich Red Bull querstellen sollte: Gnadenlos alle Dosen boykottieren.
Drittens: Joshua Kimmich ist keine echte Führungspersönlichkeit
Ich habe kurz vor der WM die Joshua-Kimmich-Doku im ZDF gesehen und bin zu Tode erschrocken. Der Mann kann nicht mal richtig im Supermarkt einkaufen, wofür er auf Social Media einstecken musste, und er wirkte in der Doku auch sonst ziemlich entscheidungsunfreudig.

Als ich Kimmich dann bei der WM sah, verstand ich den Zusammenhang: Er ist ein netter Mensch, brüllt auf dem Platz manchmal, aber das macht ihn lange nicht zu einem echten Leader. Außerdem hatte er als Kapitän seine Chance – jetzt sollte ein anderer ran.
Bleiben kann der Bayernprofi, Jürgen Klopp wird ihn auf der Sechs sehr gut brauchen können. Binde: nein.
Viertens: Rudi Völler muss Platz machen
Ruuuudi ist der Größte, aber der 66-Jährige steht mit seiner Wird-schon-Mentalität leider für das alte Fußball-Deutschland. Der Sportdirektor sollte das machen, was seine Spieler zwei Wochen lang perfekt praktiziert haben: nicht im Weg stehen.
Übrigens: Kennt jemand den Rudi-Völler-Fluch? Auflösung: In sämtlichen Turnieren, bei denen Völler in verantwortlicher Position war – ob als Teamchef (WM 2002, EM 2004) oder Sportdirektor (EM 2024, WM 2026) –, hat Deutschland kein einziges Spiel gegen eine besser platzierte Mannschaft (nach Weltrangliste) gewonnen. Warum? Vielleicht auch, weil deutsche Spieler im Zweifel immer einen Schulterklopfer kriegen.
Die Nachfolge? Könnte Markus Krösche von Eintracht Frankfurt machen.
Fünftens: Gnadenloser Kaderumbau
Zugegebenermaßen ist das eine sehr schwierige Aufgabe, uns gehen die Talente aus. Es braucht also einen Neuaufbau um die wenigen jungen Guten, die wir haben: Urbig, Brown, Schlotterbeck, Wirtz, Karl, Musiala, El Mala, Ouedraogo, Leweling, Havertz. Danach wird's schon dünne.
Jonathan Tah? Ist zu langsam. Bei der nächsten WM ist er zu langsam UND zu alt (34). Kann aber meinetwegen noch ein bisschen bleiben. Leroy Sané kommt an keinem Spieler mehr vorbei – unabhängig davon, ob die Kollegen ihm helfen oder nicht. Und in der Türkei wird man ja auch nicht gerade jeden Tag ein bisschen besser.
Antonio Rüdiger: Bei Real Madrid gerade verlängert, okay, aber mit 33 zu alt für Neuaufbau. Deniz Undav (29) hat, als es darauf ankam, gnadenlos enttäuscht mit seinem Hacke-Spitze-eins-zwei-drei, und er ist auch bald zu alt. Nick Woltemade? Lassen wir das. Angelo Stiller? Ist mir zu zappelig.
Sechstens: Nachwuchsarbeit umkrempeln
Haben wir ja schon mal gemacht, Anfang des Jahrtausends. Diesmal brauchen wir weniger gute Stimmung und glühende Taktiktafeln, dafür mehr Fokus auf MGZ – Mentalität, Geschwindigkeit, Zweikampf. Außerdem: Weg mit den ewiggestrigen Schlechtrednern. Zum Beispiel DFB-Vize Aki Watzke, der sich blamierte, als er sinnvolle Reformen im DFB-Nachwuchsfußball, also im eigenen Laden, "unfassbar" und "nicht nachvollziehbar" nannte.
Die schlechte Nachricht: Solche Änderungen sind kein Ibu, sie brauchen leider rund zwölf Jahre, bis sie voll wirken – siehe die Maßnahmen nach den Desastern 2000/04. Erste Auswirkungen wurden erst 2010 sichtbar, den WM-Titel gab's 2014. Ähnlich war's nach der Ösi-Blamage 1978 – WM-Sieg 1990.
Heißt: Ich plane jetzt mal Platz eins bei der WM 2034 ein.
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