15 Milliarden Dollar: Ein FIFA-Rekord, der gleich zwei Präsidenten Argumente liefert
Wer verteilt, wird gewählt. Der Weltverband verdient am Zweitmarkt statt am Spiel, während der Fußball nur noch der Anlass ist, nicht der Zweck.
15 Milliarden US-Dollar, vier mehr als kalkuliert: Für die FIFA ist das ein Triumph, für den Fußball ist es keiner. Denn Rekordeinnahmen sagen nichts darüber aus, ob ein Turnier besser war, sondern nur, dass sich mehr abschöpfen ließ. Und wer genau hinschaut, sieht: Dieses Geld ist kein Ertrag sportlicher Qualität, sondern der Rohstoff einer Machtsicherung.
Der Mechanismus ist offen einsehbar. Ein Großteil der Einnahmen fließt an die 211 Mitgliedsverbände. Ausgerechnet die entscheiden über die Wiederwahl von FIFA-Präsident Gianni Infantino, der sich im kommenden Jahr bis 2031 im Amt bestätigen lassen will. Laut Guardian haben bereits mehr als 200 Verbände ein Unterstützerschreiben unterzeichnet. Man muss keine Verschwörung konstruieren, um den Zusammenhang zu erkennen: Wer verteilt, wird gewählt.
Wie diese 15 Milliarden zustande kommen, ist die zweite unbequeme Wahrheit. Ein erheblicher Teil des Anstiegs stammt aus Hospitality und Ticketverkäufen, insbesondere über den Zweitmarkt. Auf der eigenen Wiederverkaufsplattform kassiert die FIFA doppelt: 15 Prozent vom Verkäufer, der den Preis beliebig festlegen darf, und 15 Prozent vom Käufer. Kritiker sprechen von einem legalisierten Schwarzmarkt, und die Formulierung trifft den Kern. Der Weltverband verdient nicht daran, dass Fans zum Spiel kommen, sondern daran, dass sie einander die Karten zu Fantasiepreisen weiterreichen.
Das Turnier selbst wurde erstmals auf 104 Partien mit 48 Mannschaften aufgebläht, gegenüber zuvor 64 Spielen und 32 Teams. Der Sprung bei den Einnahmen von rund 5,8 Milliarden bei der Winter-WM 2022 in Katar auf nun 15 Milliarden zeigt, wohin die Reise geht. Und sie ist nicht zu Ende: Die FIFA diskutiert eine Aufstockung auf 64 Teams. Wer die Logik dieser Zahlen einmal verstanden hat, weiß, dass die nächste Vergrößerung nicht am Fußball scheitern wird, sondern nur an der Frage, ob sie sich rechnet.
Wie eng Geld und Gefolgschaft inzwischen zusammenhängen, zeigt eine Randnotiz, die keine ist: Die Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun wurde ausgesetzt, nachdem derselbe US-Präsident Donald Trump bei Infantino angerufen hatte. Die Verbände unterschrieben trotzdem für die Wiederwahl. Nur der DFB gehört ausdrücklich nicht dazu. Es ist wenig, aber es ist wenigstens eine Position.
Und die Zukunft? Trump hat bereits sein Interesse an einer weiteren Austragung bekundet. "Diese WM war so erfolgreich, dass wir die USA einfach noch einmal auswählen sollten", sagte er, "dieses Mal lassen wir Mexiko und Kanada außen vor." Geschäft ist Geschäft- Die Turniere ab 2038 sind noch nicht vergeben, und der wirtschaftliche Erfolg dürfte die amerikanischen Chancen erhöhen. So schließt sich der Kreis: Ein Rekord, der niemandem sportlich nützt, dient dem Präsidenten als Wahlkampfvermögen und dem anderen Präsidenten als Argument für die nächste Runde.
Der Fußball taucht in dieser Rechnung kaum noch auf. Er ist der Anlass, nicht der Zweck. 15 Milliarden Dollar sind keine gute Nachricht für ein Spiel, sie sind eine gute Nachricht für den, der über ihre Verteilung entscheidet. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie erfolgreich diese WM war, sondern: für wen.
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