WM-Schiri bei der Einreise in Miami abgewiesen - und die FIFA schweigt

Ein nominierter Schiedsrichter aus Somalia darf trotz US-Visum nicht einreisen und wird vor dem Höhepunkt seiner Karriere gedemütigt. Der Weltverband sagt dazu nichts. Ist das dieses Fairplay, von dem alle immer reden?

Teilen
WM-Schiri bei der Einreise in Miami abgewiesen - und die FIFA schweigt
IMAGO/DeFodi Images

Es ist eine Geschichte, die man dem Fußball nicht erzählen muss, weil er sie längst kennt: Ein Mann, der Jahre gearbeitet hat, um auf der größten Bühne seines Berufs zu stehen, kommt nicht an. Omar Artan, somalischer Schiedsrichter, 34 Jahre alt, von der FIFA für die anstehende Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada nominiert, ist am Miami International Airport abgewiesen worden. Er hatte ein gültiges Visum. Er flog nach Istanbul zurück. Das hat ein Vertreter des somalischen Sportministeriums der Nachrichtenagentur AFP am Montag bestätigt.

Die Gründe für die Verweigerung waren zunächst unklar. Klar ist nur das Umfeld: Somalia steht auf jener Einreiseverbotsliste, die die Regierung von Präsident Donald Trump eingeführt hat. Ein gültiges Visum, so scheint es, schützt nicht vor dem Land, das man repräsentiert. Für Artan bedeutet das ganz konkret: Er hätte als erster Referee seiner Heimat bei einer WM pfeifen sollen. Stattdessen ist er einer von 52 Nominierten, der nicht arbeiten kann, weil ihm das Gastgeberland die Tür nicht öffnet.

Die FIFA hat 52 Schiedsrichter für dieses Turnier ausgewählt, nach Kriterien, die der Weltverband selbst gesetzt hat. Leistung, Erfahrung, internationale Tauglichkeit. Wer auf dieser Liste steht, hat sich qualifiziert wie ein Spieler, der in der Nationalelf steht. Wenn ein Gastgeberland einem dieser Schiedsrichter die Einreise verweigert, dann greift es nicht in eine politische Personalie ein, sondern in eine sportliche Entscheidung. Die FIFA hat zu diesem Vorgang öffentlich nichts gesagt, das in der Meldung steht. Das ist, vorsichtig formuliert, eine Leerstelle.

Ciise Aden Abshir, leitender Berater des somalischen Ministeriums für Jugend und Sport und ehemaliger Kapitän der Nationalmannschaft, hat gegenüber AFP den Satz formuliert, der den Fall trifft: „Ihm die Einreise in die Vereinigten Staaten zu verweigern und ihn daran zu hindern, geplante Spiele zu leiten, schadet nicht nur ihm persönlich, sondern untergräbt auch das Bekenntnis des Fußballs zu Fairness, Leistung und dem Geist des Fairplay." Man muss diesen Satz nicht überhöhen. Er beschreibt schlicht den Widerspruch, in dem dieses Turnier stattfindet.

Denn die WM beginnt am Donnerstag, mit dem Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika. Sie wird in drei Ländern gespielt, von denen eines Listen führt, die darüber entscheiden, wer arbeiten darf und wer nicht. Spieler, Funktionäre, Schiedsrichter, Fans aus betroffenen Ländern reisen unter Bedingungen an, die sich von denen anderer Teilnehmer unterscheiden. Das ist keine Überraschung mehr, das ist die Geschäftsgrundlage. Die FIFA hat sich bei der Vergabe darauf eingelassen.

Was bleibt, ist der konkrete Mann am Flughafen. Artan hatte sein Visum, hatte seine Nominierung, hatte vermutlich seinen Plan für die nächsten Wochen. Er sitzt nun in Istanbul. Ob die FIFA für ihn interveniert, ob die US-Behörden den Fall noch einmal prüfen, ob er nachträglich anreisen kann – dazu liegt nichts vor. Es ist möglich, dass das Turnier ohne ihn beginnt und ohne ihn endet.

Der Fußball spricht gern von seiner verbindenden Kraft, von Pässen, die Grenzen überschreiten, von einer Sprache, die alle verstehen. In Miami hat ein Schiedsrichter erfahren, dass diese Sprache an der Passkontrolle endet. Das ist keine Pointe. Das ist der Stand der Dinge, drei Tage vor dem Eröffnungsspiel.