Werder Bremen in der Krise: Wer in Überzahl nicht trifft, hat ein tieferes Problem
Hoffenheim setzt Höhenflug fort, Werder Bremen bleibt sieglos.
Zehn gegen elf, und trotzdem chancenlos. Was Werder Bremen am Mittwochabend im Weserstadion ablieferte, war die Bankrotterklärung einer Mannschaft, die den Glauben an sich selbst verloren hat. Hoffenheim gewinnt 2:0, obwohl Wouter Burger in der 52. Minute mit Rot vom Platz fliegt. Das muss man erst einmal schaffen: Eine numerische Überzahl von fast 40 Minuten nicht in eine einzige zwingende Torchance umzumünzen. Die TSG Hoffenheim macht derweil einfach weiter. Vierter Sieg im neuen Jahr, 39 Punkte nach 19 Spieltagen – das ist Vereinsrekord, zuletzt erreicht in der Premierensaison 2008/09. Drei Zähler trennen die Kraichgauer noch von Borussia Dortmund auf Platz zwei. Christian Ilzer hat aus einer verunsicherten Truppe eine Einheit geformt, die auch in Unterzahl nicht wankt. Alexander Prass' Traumtor vor der Pause und Grischa Prömels Treffer unmittelbar nach dem Platzverweis zeigten, wie abgeklärt dieses Team inzwischen agiert. Und Bremen? Neun Spiele ohne Sieg. Ein einziger Punkt im neuen Jahr. Die Pfiffe zur Halbzeit waren noch das Freundlichste, was die Fans ihrem Team mit auf den Weg gaben. Keke Topp vergab in der Schlussphase zweimal per Volleyschuss aus aussichtsreicher Position – symptomatisch für eine Mannschaft, der selbst in Überzahl die Überzeugung fehlt. Der Druck auf Trainer Horst Steffen wächst mit jedem Spieltag. Die Fragen nach seiner Zukunft werden drängender, die Antworten dünner. Wenn eine Mannschaft gegen zehn Gegenspieler keinen Weg zum Tor findet, liegt das Problem tiefer als bei taktischen Feinheiten. Es fehlt an Selbstvertrauen, an Ideen, an der Fähigkeit, Druck in Gefahr umzuwandeln. Am Samstag kommt Borussia Mönchengladbach ins Weserstadion. Ein Gegner, der selbst nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt. Für Steffen ist es ein Endspiel, auch wenn das offiziell niemand so nennen wird. Die Geduld der Verantwortlichen hat Grenzen, die Geduld der Fans erst recht. Hoffenheim hingegen darf von der Champions League träumen. Was vor wenigen Monaten noch undenkbar schien, ist plötzlich greifbar nah. Ilzer hat bewiesen, dass er eine Mannschaft stabilisieren kann. Bremen hat bewiesen, dass neun sieglose Spiele kein Zufall sind. Der Unterschied zwischen beiden Klubs war an diesem Abend so deutlich wie das Ergebnis: Der eine weiß, wohin er will. Der andere sucht noch nach dem Weg.