Werder Bremen fehlt nicht nur die Cleverness, Spiele über die Zeit zu bringen
Krisenklub vergibt beim 3:3 gegen Eintracht Frankfurt die Siegchance in der Nac hspielzeit und bleibt weiter sieglos
Sieben Spiele ohne Sieg. Diese Zahl steht im Raum wie ein Mahnmal, und kein noch so gut gemeintes Trainerlob kann sie wegdiskutieren. Werder Bremen hat gegen Eintracht Frankfurt erneut bewiesen, dass diese Mannschaft in der Lage ist, guten Fußball zu spielen. Und gleichzeitig gezeigt, warum das am Ende viel zu selten reicht.
Das 3:3 gegen Frankfurt ist symptomatisch für den Zustand dieses Teams. Werder dreht ein Spiel, geht in der 80. Minute durch den neuen Stürmer Jovan Milosevic in Führung, hat den ersten Sieg seit Wochen praktisch in der Tasche – und kassiert in der vierten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich durch Ansgar Knauff. Wer so spät noch Punkte hergibt, der hat ein Problem, das tiefer liegt als mangelnde Spielanlage.
Trainer Horst Steffen betont die positiven Signale, lobt die Leistung im zweiten Durchgang. Das ist sein Job, und es ist nicht falsch. Werder hat Moral gezeigt, hat nach dem zwischenzeitlichen 2:2 durch Jens Stage nicht aufgesteckt, sondern weiter nach vorne gespielt. Justin Njinmah traf zum 1:0, die Mannschaft kämpfte. All das stimmt. Aber es ändert nichts daran, dass am Ende wieder nur ein Punkt steht.
Was Werder Bremen fehlt
Die Wahrheit ist: Werder fehlt die Fähigkeit, Spiele über die Zeit zu bringen. Das ist keine Frage der Qualität im Kader, sondern eine Frage der Mentalität, der Cleverness, der Erfahrung. Wer in der Nachspielzeit einen Sieg aus der Hand gibt, der hat in den entscheidenden Momenten nicht die nötige Konzentration. Das lässt sich nicht schönreden.
Steffen spricht von zwei fehlenden Punkten. Das ist die nüchterne Rechnung. Aber die emotionale Bilanz wiegt schwerer. Für die Spieler fühlt sich dieses Remis an wie eine Niederlage, sagt Njinmah. Und genau das ist das Problem: Werder sammelt seit Wochen Erlebnisse, die das Selbstvertrauen untergraben statt es aufzubauen.
Die Bundesliga verzeiht keine Nachlässigkeiten. Sieben Spiele ohne Sieg bedeuten, dass der Abstand nach unten schmilzt und der Blick nach oben immer unrealistischer wird. Werder muss jetzt schnell lernen, aus guten Leistungen auch Ergebnisse zu machen. Sonst wird aus der aktuellen Durststrecke eine handfeste Krise.
Die Spielanlage im zweiten Durchgang mag gestimmt haben. Aber Fußball wird nicht nach Spielanlagen bewertet, sondern nach Punkten. Und die fehlen in Bremen seit viel zu langer Zeit.