Wenn die internationale Küche das Trainingsspiel entscheidet

Warum die Kombination aus belgischem Gemüse, türkischer Küche und minus fünf Grad Bodentemperatur kein ideales Trainingsrezept sind, erklärt Fever Pit'ch-Kolumnist Gerd Thomas

Wenn die internationale Küche das Trainingsspiel entscheidet
Foto: privat

Beim Training unserer Ü60 geht es oft international zu, so wie es der Name schon sagt. Menschen mit Familienwurzeln in der Türkei, Bulgarien, Iran, Argentinien, Bosnien oder Äthiopien laufen auf. Was ich nicht wusste, war wie der gute deutsche Rosenkohl verbreitet ist, der ursprünglich gar nicht aus unseren Landen, sondern aus Belgien kommt.

Beliebt ist er weit über Westeuropa hinaus, z. B. in der Türkei, wo es eine spezielle Zubereitung mit viel Olivenöl gibt. Ohne jetzt in kulinarische Gefilde abdriften zu wollen, Rosenkohl vor dem Spiel oder Training ist keine gute Idee.

Mitspieler Erdal hatte im Gegensatz zum Silvestertraining immerhin ein anständiges Schuhwerk dabei. Zum letzten Kick des Jahres reiste er bei leicht gefrorenem Boden mit Stollenschuhen an – und spielte entsprechend. Glücklicherweise ging es ohne Verletzung ab, obwohl er zweimal fast im Zaun landete. Doch dieses Mal war das Problem ein anderes – es war rund, grün und von seiner Frau mit reichlich Olivenöl zubereitet.

Sie hatte ihm gut zugesprochen, und er hatte zwei Stunden vor dem Training gleich zwei Teller voll genommen. Beim Training legte er wie ein Wirbelwind los, um nach 25 Minuten plötzlich abzubrechen und schließlich wie ein Käfer auf dem Rücken bei minus 2 Grad im Spielfeld zu liegen. Die besorgten Blicke wurden schnell zu einem Grinsen, denn es war nur das Rumoren im Bauch, das seine Spielfähigkeit einschränkte. Erdal wollte raus.

Keine gute Idee, die Teams wären dann nicht mehr aufgegangen – um im Bild zu bleiben. Also ging es weiter. Irgendwie schaffte er es, die Partie zu Ende zu bringen. Seine Mannschaft gewann sogar, denn wir spielten auf sehr kleine Tore, und das von ihm verteidigte verließ er nicht mehr, wogegen wir mit unserem wechselnden fliegenden Torwart durch drei Weitschüsse erlegt wurden.

Nach dem Training gab es in der Kabine dann Kochbuch-Fachgespräche, die vom Bremer Pinkel über „Schnuten und Poten“, Labskaus und Ruhrpott-Schweineschwarte reichte. Einiges davon auch mit Rosenkohl zu genießen, nur eben nicht unmittelbar vor dem Training. Einen Ernährungs-Berater werden wir in unserem Alter wohl trotzdem nicht mehr kommen lassen. Diesen zu bezahlen wäre nun wirklich „Perlen vor die Säue und Kohlfresser“.

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