Was wirklich zählt: Ein Sonntag, der mehr als Siege zeigt

Ein perfekter Spieltag – und ein klarer Auftrag: Vereine müssen sich verändern, ohne das zu verlieren, was sie ausmacht, meint Gerd Thomas.

Was wirklich zählt: Ein Sonntag, der mehr als Siege zeigt
Foto: privat

Der Sonntag war einer dieser Tage, die einen daran erinnern, warum sich ehrenamtliches Engagement lohnt. Am Morgen haben unsere 2. Herren das Pokalfinale erreicht. Am Nachmittag gewannen die 1. Herren das Spitzenspie der Landesliga, haben einen deutlichen Vorsprung. Und die 3. Herren sicherten sich bereits am Vortag drei wichtige Punkte im Abstiegskampf

Erfolg ist mehr als ein Ergebnis

Drei Siege an einem Wochenende – das ist schon besonders. Doch das eigentlich Besondere ist etwas anderes: Auf dem Platz stehen Menschen, die ohne Bezahlung spielen. Menschen, die ihren Verein lieben, die füreinander einstehen und einfach großartige Persönlichkeiten sind.

Genauso wie unsere Frauen, die heute spielfrei waren und die 2. Herren im Halbfinale lautstark unterstützt haben – mit Erfolg. Und manchmal kochen sie sogar zusammen. Zusammenhalt geht eben auch durch den Magen.

Ich bin nun seit 23 Jahren im Vorstand unseres wunderbaren Vereins. Heute weiß ich wieder ganz genau, warum ich das mache: nicht wegen der Siege, sondern wegen der Menschen. Sie sind es wert, dass man sich für sie engagiert. Sie sind gute Sportlerinnen und Sportler, aber sie sind auch verantwortungsbewusst, engagiert, mit gesellschaftspolitischem Bewusstsein und nicht zuletzt engagierte und solidarische Menschen.

Zukunft braucht Vertrauen in die Jungen

Die junge Generation wird bald Verantwortung übernehmen – und das ist gut so. Denn sie ist nicht nur auf dem Fußballplatz stark, sondern auch darüber hinaus. Wenn sie Unterstützung brauchen, werden wir Älteren da sein. So viel wie nötig.

Eine der größten Herausforderungen für Vorstände besteht darin, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um Verantwortung in jüngere Hände zu legen. Vielen fällt das schwer. „Die Jungen müssen doch erst einmal die Satzungen lernen. Ihnen fehlt die Erfahrung.“ Solche Sätze hört man oft – und genau sie bremsen die Weiterentwicklung von Vereinen.

Denn eines ist klar: Amateursport kann heute nicht mehr so organisiert werden wie vor 30 Jahren. Digitalisierung, Kommunikation, Trainingsmethoden, Elternarbeit – all das hat sich grundlegend verändert. Vereine stehen heute vor ganz anderen Herausforderungen als noch zur Jahrtausendwende.

Gleichzeitig dürfen sie nicht zu reinen Dienstleistern werden. Das Ehrenamt wird auch künftig die tragende Säule von Vereinen bleiben. Es braucht weiterhin den Austausch darüber, wie wir unseren Verein entwickeln wollen und wohin der Weg führt. Deshalb ist es wichtig, den Übergang frühzeitig einzuleiten. So können die Jüngeren die Erfahrung der Älteren noch nutzen – gerade bei komplexen Themen wie dem Verbandswesen, Kontakten zu Politik/Verwaltung oder Sponsoren.

Mit der richtigen Unterstützung können sie sich auf das Wesentliche konzentrieren: die Zukunft des Vereins zu gestalten.

  • Wie soll der Verein in einem, drei oder fünf Jahren aussehen?
  • Welche Schwerpunkte setzen wir?
  • Und wer übernimmt künftig Verantwortung?

Nur wer sich verändert, bleibt erfolgreich

Ehrenamt wird sich verändern. Es wird seltener Menschen geben, die sich über Jahrzehnte hinweg binden. Klassische Top-down-Strukturen gehören ohnehin der Vergangenheit an. Stattdessen wird Zusammenarbeit wichtiger – kollaborativ, offen, gemeinsam.

Kollaboratives Arbeiten bedeutet, Aufgaben und Projekte gemeinsam zu entwickeln, Wissen zu teilen und transparent zu handeln. Digitale Werkzeuge unterstützen diesen Prozess, fördern Innovation und verlangen eine offene Kommunikationskultur sowie ein gemeinsames Verständnis von Zielen.

Das klingt für einen Sportverein vielleicht ungewohnt – ist aber die Zukunft.

Beim FC Internationale haben wir uns auf diesen Weg gemacht und einen Organisationsentwicklungs-Prozess gestartet. Das bedeutet, neue Formen der Zusammenarbeit zu lernen. Auch für mich war das nicht immer leicht, aber es ist notwendig.

Denn nur Vereine, die bereit sind, sich weiterzuentwickeln, werden auch in Zukunft erfolgreich sein.


Zum Schluss möchte ich Danke sagen – an die vielen jungen Menschen, von denen ich viel gelernt habe. Vielleicht konnten sie auch etwas von mir mitnehmen. Aber das zu beurteilen, steht mir nicht zu. Gerd Thomas