Warum der BVB wirklich verlor
Mats Hummels übt deutliche Kritik an Dortmunds Champions-League-Leistung.
Mats Hummels hat nach dem 0:2 bei Tottenham Hotspur Worte gewählt, die sitzen. Die erste Halbzeit sei ein "beinahe Totalausfall" gewesen, sagte der Weltmeister von 2014 als TV-Experte. Und fügte hinzu, dass er ohne seine BVB-Vergangenheit das "beinahe" weglassen würde. Das ist keine Analyse, das ist ein Urteil. Und es trifft.
Was Borussia Dortmund in den ersten 45 Minuten in London ablieferte, war tatsächlich eines Champions-League-Spiels nicht würdig. Schon nach 14 Minuten lag der BVB durch Christian Romeros Treffer zurück. Zehn Minuten später flog Daniel Svensson mit Rot vom Platz. Dominic Solanke machte noch vor der Pause alles klar. Zu diesem Zeitpunkt war die Partie entschieden, der BVB hatte sich selbst geschlagen.
Die Niederlage hat Konsequenzen. Dortmund verliert die Top Acht der Tabelle aus den Augen und damit den direkten Einzug ins Achtelfinale. Die Play-offs bleiben zwar aus eigener Kraft erreichbar, doch dafür muss am letzten Spieltag gegen Inter Mailand ein anderes Gesicht gezeigt werden als in London.
BVB scheitert in London an sich selbst
Trainer Niko Kovac ging nach dem Spiel ebenfalls hart mit seiner Mannschaft ins Gericht. Seine Kritik zielte auf die fehlende Körperlichkeit und die naive Herangehensweise. Wer glaube, in der Champions League gegen einen angeschlagenen Gegner nur mit dem Ball etwas machen zu können, ohne physische Präsenz zu zeigen, der werde scheitern. Kovac ärgerte nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem die Art und Weise des Auftritts.
Das ist der entscheidende Punkt. Dortmund hat nicht verloren, weil Tottenham an diesem Abend überragend spielte. Dortmund hat verloren, weil die Mannschaft ohne Überzeugung, ohne Intensität und ohne Plan ins Spiel ging. Die Rote Karte war ein Rückschlag, aber sie erklärt nicht den desolaten Auftritt davor.
Hummels machte immerhin einen Hoffnungsschimmer aus. In der zweiten Halbzeit habe man gesehen, was möglich gewesen wäre, wenn die Mannschaft von Anfang an mutig aufgetreten wäre. Das stimmt. Doch es ist ein schwacher Trost. Mut in Unterzahl und bei einem 0:2-Rückstand zu zeigen, ist keine Leistung. Es ist Schadensbegrenzung.
Der BVB steht nun vor einer Bewährungsprobe gegen Inter Mailand. Die Frage ist nicht, ob die Mannschaft das Potenzial hat, gegen einen italienischen Topklub zu bestehen. Die Frage ist, ob sie bereit ist, dieses Potenzial von der ersten Minute an abzurufen. In London war sie es nicht. Und genau das macht die Kritik von Hummels und Kovac so berechtigt.