Vom Cosy-Wash-Pokal bis zur Keine-Sorgen-Arena

Ob lokales Geldinstitut oder Bauunternehmen: Gute Ideen schaffen Win-Win-Situationen für alle Beteiligten – auch im Amateurfußball, meint Gerd Thomas

Vom Cosy-Wash-Pokal bis zur Keine-Sorgen-Arena
Foto: Imago / Matthias Koch

Der „Batterie-Profis-Bezirkspokal“ in Stuttgart ist eine echte PR-Ansage. Doch der Berliner „Cosy-Wash-Pokal“ kann da locker mithalten. Für die Oldies gibt es den „defendo-Cup“, der jeder Abwehrreihe noch einmal ihre ureigenste Aufgabe vor Augen führt. Der Amateurfußball steht den Profis in Sachen kreativer Vermarktung längst in nichts mehr nach.

Gab es nicht auch schon einmal eine Assekuranz, die als Sponsor für den Ü60-Pokal bereitstand und sich auf Sterbegeld-Versicherungen spezialisiert hatte (Mit uns bis zum Finale)? Alles ist denkbar, solange es monetäre Vorteile bringt. Wenn Traditionsstätten wie das Wedaustadion in Schauinsland-Arena umgetauft werden oder die Dortmunder Alles-Vermarkter aus dem Westfalenstadion einen Signal-Iduna-Park machen, scheint bei der aktuellen Weltlage der Weg zu einem Rheinmetall-Cup der U19 nicht mehr weit.

Beim FC Internationale Berlin spielen wir zwar konsequent ohne Trikotwerbung, doch bei meiner Ü60 habe ich nach manchem Training schon vorgeschlagen, statt des Slogans NO RACISM doch lieber TEBONIN auf die um Luft ringende Brust zu setzen. Einige lachen darüber, andere schauen mich ratlos an. Meine Antwort: Eben drum! Die „Ginkgo-Marke Nr. 1“ soll schließlich gegen Vergesslichkeit und Ratlosigkeit helfen. Wenn einige Spieler nach mehr oder weniger gelungener Ballannahme nicht mehr wissen, ob sie nach links oder rechts passen wollten – und stattdessen den Gegner in der Mitte anspielen – könnte das Wundermittel dem kontrollierten Spielaufbau durchaus dienlich sein. Aber warum nicht gleich die ganze Liga danach benennen?

Oft eignen sich Amateurvereine besser für Sponsorings

Sponsoring und Namensrechte sind im Fußball ohnehin hoch im Kurs – oft allerdings ohne große Strategie. Im Profifußball unterstützen lokale Unternehmen häufig nachrangige Zweitligisten mit Summen, die weder für echte Sichtbarkeit im Stadion, geschweige denn für einen Platz auf dem Trikot der überbezahlten Kicker reichen. Der Malermeister von nebenan kann im Freundeskreis immerhin damit prahlen, dass er eine Loge besitzt – und sei sie noch so weit hinten in der Ecke der Schüssel.

Ein Engagement beim Amateurverein vor der eigenen Haustür wäre meist sinnvoller. Doch sowohl Clubs als auch Sponsoren fehlt es oft an einer klaren Idee für eine echte Win-Win-Situation. Gefördert wird auf Zuruf – auch das hilft den Vereinen - verschenkt aber viel Potenzial. Besser wäre es, gemeinsam zu überlegen, was wirklich gebraucht wird und wie man diese Unterstützung möglichst öffentlichkeitswirksam präsentieren kann. Wobei es diese Dinge natürlich gibt, wie wir aktuell gerade im Zusammenhang mit einem Geldinstitut erleben dürfen.

Marke und Verein zeigen gemeinsam Haltung

Ein Freund von mir hat es geschafft, von einem örtlichen Finanzinstitut eine ordentliche Summe einzuwerben, mit der alle Mannschaften – von der 1. Herren bis zu den F-Jugendlichen – mit einer klaren Botschaft gegen Diskriminierung auf den Trikots ausgestattet wurden. Bei uns wiederum gibt es dank unserer Nachhaltigkeitsaktivitäten eine ganze Reihe von Unterstützern, die unsere Ideen und Projekte engagiert begleiten. Ein Sponsor hat für uns sogar einen eigenen Stromtarif geschaffen.

Ein befreundeter Vereinsvorstand konnte einen Bauunternehmer dazu bewegen, einen Unterstand gegen Regen und Hitze für die Zuschauer zu errichten, andere lassen sich für ihr Catering gute Rabatte vom Lebensmittel-Händler ihres Vertrauens einräumen. Gerade im Jugendbereich bspw. für Feriencamps ließen sich noch viele solcher Kooperationen denken.

Ich wünsche mir bspw. einen Solidaritätsfonds, in den Unternehmen und Besserverdiener einzahlen, damit alle Kinder und Jugendlichen ähnliche Bedingungen für Training und Spiel haben. Denn wer aus begütertem Hause stammt, hat auch auf dem Fußballplatz gegenüber Kindern aus armen Familien Vorteile: Die Schuhe sind nicht zu klein, und die Trainingsanzüge halten im Winter wirklich warm und trocken, Reisen ins Trainingslager stellen keine unüberwindbaren finanziellen Hindernisse dar.

Manche Benennung bringt ungewollten Humor mit sich

Nicht alles muss dabei den Namen des Geldgebers tragen – auch wenn das mitunter durchaus originell sein kann. Ich meine damit weniger die zahllosen Pokalwettbewerbe, die nach Biermarken, Krankenkassen oder Banken benannt sind. Wobei mir einer allerdings besonders gefallen hat: der Orthokonzept-Cup der Ü32 in Baden. Nach einer langen, körperlich strapaziösen Karriere im Herrenbereich fühlt man sich in diesem Seniorenpokal doch gleich gut aufgehoben.

Die schönsten Stadionnamen stammen allerdings nicht aus Deutschland. In den Niederlanden gibt es ein Brain-Wash-Stadion, im österreichischen Ried die Keine-Sorgen-Arena. Dagegen verblasst sogar das Stadion der Bauarbeiter im sächsischen Krumhermersdorf. Bleibt nur die Frage, was wohl in den Köpfen der Gegner vorgeht, wenn sie beim SV Wersten 04 den Sportplatz am Scheideweg betreten. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll hier schon manche Karriere ein abruptes Ende gefunden haben.

Und für alle, die noch nach Inspiration suchen, gibt es übrigens auch einen Stadion-Namen-Generator. Viel Vergnügen – und gutes Gelingen.