Viagogo-Urteil zeigt: Nur eine europäische Lösung kann den Ticket-Graumarkt stoppen
Der KSC hat wichtigen Rechtsstreit um den Weiterverkauf von Eintrittskarten gewonnen
Der Karlsruher SC hat vor dem Landgericht Mannheim einen Sieg errungen, der weit über den Wildpark hinaus Bedeutung hat. Das Gericht untersagte den nicht autorisierten Weiterverkauf von Eintrittskarten über Viagogo und verpflichtete die Plattform, künftig unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass dort erworbene Tickets keinen Zutritt zum Stadion garantieren. Das ist keine Randnotiz aus der Zweiten Liga. Das ist ein Signal.
Viagogo operiert seit Jahren in einer Grauzone, die für Fans zur Kostenfalle wird. Die Plattform verkauft zu oft Tickets zu Preisen, die mit dem ursprünglichen Wert nichts mehr zu tun haben. Wer dort kauft, zahlt nicht nur drauf, sondern riskiert auch, am Stadiontor abgewiesen zu werden. Denn die Vereine erkennen diese Tickets schlicht nicht an. Das Gericht in Mannheim hat nun bestätigt, was längst offensichtlich war: Viagogo verschweigt dieses Risiko systematisch. Das ist Irreführung.
Der KSC reiht sich mit diesem Urteil in eine wachsende Front ein. Union Berlin und der FC St. Pauli haben vor Gericht bereits ähnliche Erfolge erzielt. Die Rechtsprechung verdichtet sich. Und sie sendet eine klare Botschaft: Wer Tickets ohne Autorisierung der Vereine vertickt, kann sich nicht länger hinter dem Argument des freien Marktes verstecken. Der Fußball ist kein Konzert, bei dem der Veranstalter egal ist. Die Vereine haben ein berechtigtes Interesse daran, zu kontrollieren, wer in ihre Stadien kommt.
Tickets nur über offizielle Verkaufsstellen
Michael Becker, Sprecher der KSC-Geschäftsführung, appellierte an die Fans, Tickets ausschließlich über offizielle Stellen zu kaufen. Das klingt nach Standardfloskel, ist aber der entscheidende Punkt. Solange Fans auf dubiose Plattformen ausweichen, bleibt das Geschäftsmodell von Viagogo intakt. Die Vereine können klagen, so oft sie wollen. Erst wenn die Nachfrage versiegt, ist das Problem gelöst.
Die juristische Offensive der Klubs ist richtig und notwendig. Aber sie hat Grenzen. Viagogo sitzt in der Schweiz, agiert international und wird sich nicht von einzelnen Urteilen deutscher Landgerichte aus dem Geschäft drängen lassen. Was fehlt, ist eine europäische Lösung. Eine Regulierung, die den Graumarkt für Tickets austrocknet, bevor er überhaupt entsteht.
Bis dahin bleibt den Vereinen nur der Weg über die Gerichte. Der KSC hat ihn konsequent beschritten. Das verdient Anerkennung. Denn es geht nicht um Prinzipienreiterei, sondern um den Schutz derjenigen, die den Fußball am Leben halten: die Fans. Sie sollten nicht für ein Zweitligaspiel das Dreifache zahlen müssen. Und sie sollten sicher sein können, dass ihr Ticket sie auch ins Stadion bringt.