VfL Wolfsburgs dritter Trainer in dieser Saison: Die Köpfe rollen, aber die Probleme bleiben
Der VW-Klub reagiert auf die Krise mit dem nächsten Trainerwechsel. Doch solange niemand die strukturellen Probleme angeht, bleibt jede Personalie Symbolpolitik.
Dieter Hecking soll es also richten. Der Mann, der beim VfL Bochum als Feuerwehrmann den Klassenerhalt nicht schaffte, wird nun nach Wolfsburg gerufen, um genau das zu verhindern: den ersten Abstieg des VfL seit dem Aufstieg 1997. Ich frage mich, ob die Verantwortlichen in der Autostadt verstanden haben, was sie da tun.
Die Fakten sprechen eine brutale Sprache. Seit acht Spielen wartet Wolfsburg auf einen Sieg. Unter Daniel Bauer, der erst im November das Amt von Paul Simonis übernahm, kassierten die Wölfe in 15 Partien neun Niederlagen. Nun wird Hecking der dritte Trainer dieser Saison. Das ist kein Krisenmanagement, das ist Panik.
Was mich besonders irritiert: Bauer hatte vor seiner Entlassung öffentlich erklärt, die Atmosphäre und Kultur innerhalb des Klubs sei nicht bundesligatauglich. Ein Trainer, der solche Sätze sagt, hat entweder nichts mehr zu verlieren, oder versucht verzweifelt, auf strukturelle Probleme hinzuweisen. Dass er nun gemeinsam mit Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen gehen muss, wirkt wie eine Bestätigung seiner Diagnose.
Die Fans haben am Samstag nach der Heimniederlage gegen den HSV ihren Frust entladen. Sie sangen, sie hätten die Schnauze voll, zündeten Pyrotechnik, beschimpften die Mannschaft. Kapitän Maximilian Arnold sprach von Frustration pur. Das ist der emotionale Zustand eines Vereins, der sich selbst nicht mehr versteht.
Hecking bringt Erfahrung mit. Zwischen 2013 und 2016 gewann er mit Wolfsburg den DFB-Pokal und den Supercup. Aber das war eine andere Zeit, ein anderer Kader, ein anderes Selbstverständnis. Der 61-Jährige ist ein Routinier, der weiß, wie man eine Mannschaft stabilisiert. Doch seine jüngste Station in Bochum endete mit dem Abstieg. Die Frage ist nicht, ob Hecking ein guter Trainer ist. Die Frage ist, ob ein Trainer allein reparieren kann, was die Klubführung über Jahre versäumt hat.
Wolfsburg ist Tabellenvorletzter - die schlechteste Saison seit dem Aufstieg. Und die Antwort der Verantwortlichen besteht darin, den dritten Trainer zu installieren und den Sport-Geschäftsführer zu entlassen. Das Muster ist bekannt: Köpfe rollen, aber die Strukturen bleiben.
Pirmin Schwegler sprach davon, der Mannschaft einen neuen Impuls geben zu wollen. Impulse sind gut. Aber was Wolfsburg braucht, ist keine Impulstherapie, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wer trägt die Verantwortung dafür, dass ein Verein mit den finanziellen Möglichkeiten eines Automobilkonzerns im Rücken gegen den Abstieg kämpft?
Hecking wird alles versuchen. Aber wenn selbst der entlassene Trainer öffentlich sagt, dass die Kultur nicht bundesligatauglich ist, dann reicht ein neuer Name an der Seitenlinie nicht aus. Die unbequeme Wahrheit lautet: Wolfsburg muss sich entscheiden, ob es den Abstieg als Betriebsunfall behandeln will oder als Symptom eines tieferen Problems. Wer das ernst nimmt, muss mehr ändern als nur den Trainer.