Vergiftungsvorwürfe nach Afrika-Cup-Finale: Die CAF muss jetzt für Klarheit sorgen
Jakobs vermutet, dass drei senegalesische Spieler vergiftet wurden.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Ismail Jakobs, in Köln geboren und für den Senegal spielend, spricht nach dem gewonnenen Afrika-Cup-Finale gegen Marokko von Vergiftung. Drei seiner Mitspieler seien zusammengebrochen, hätten die Nacht im Krankenhaus verbringen müssen. Das sei kein Zufall gewesen, sagt er. Eine persönliche Vermutung, wie er selbst einräumt. Aber eine, die es in sich hat.
Man muss diese Aussagen ernst nehmen, ohne sie vorschnell zur Wahrheit zu erklären. Jakobs beschuldigt niemanden konkret, das betont er ausdrücklich. Er schildert, was er erlebt hat: Krepin Diatta und Ouseynou Niang fielen vor dem Anpfiff aus. Niang musste während des Aufwärmens von Mitspielern in die Kabine begleitet werden. Pape Matar Sarr brach laut Jakobs in der Halbzeit zusammen. Drei Profis, ein Finale, ein Krankenhaus. Die Faktenlage ist beunruhigend genug.
Was Jakobs beschreibt, geht über eine gewöhnliche Lebensmittelvergiftung hinaus – zumindest in seiner Wahrnehmung. Ob medizinische Untersuchungen diese Einschätzung stützen, ist bislang nicht bekannt. Genau hier liegt das Problem: Solange keine unabhängige Aufklärung erfolgt, bleiben die Vorwürfe im Raum stehen. Sie vergiften – im übertragenen Sinne – das Narrativ eines ohnehin skandalumwitterten Finals.
Denn dieses Endspiel hatte bereits genug Sprengstoff. Die Szenen vor dem Elfmeter für Marokko kurz vor Schluss, der drohende Spielabbruch, die senegalesischen Spieler, die vom Platz gingen – all das überlagerte zunächst den sportlichen Ausgang. Dass Brahim Diaz den Strafstoß verschoss und Pape Gueye in der Verlängerung das entscheidende Tor erzielte, geriet fast zur Randnotiz.
Jetzt kommen die Vergiftungsvorwürfe hinzu. Sie werden die Debatte über dieses Turnier weiter anheizen. Marokko als Gastgeber steht unter Generalverdacht, auch wenn Jakobs niemanden beim Namen nennt. Das ist unfair gegenüber einem Land, das ein großes Turnier ausgerichtet hat. Aber es ist auch die logische Konsequenz, wenn solche Anschuldigungen öffentlich gemacht werden, ohne dass Beweise vorliegen.
Der afrikanische Fußballverband CAF ist jetzt gefordert. Eine transparente Untersuchung muss her. Was haben die Ärzte festgestellt? Welche Substanzen wurden nachgewiesen? Gab es Auffälligkeiten bei der Verpflegung? Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wird der Triumph des Senegals von einem Schatten begleitet, der größer ist als jede Trophäe.
Jakobs hat das Recht, seine Beobachtungen zu teilen. Er hat die Pflicht, dabei vorsichtig zu sein. Beides hat er getan. Nun liegt es an den Verantwortlichen, Klarheit zu schaffen. Ein Afrika-Cup-Finale verdient einen würdigen Abschluss. Dieser hier hat ihn noch nicht bekommen.