Trump will Iran von der WM verdrängen – und die FIFA betreibt Wegschauen mit Verbandslogo
Der US-Präsident zweifelt öffentlich an der Sicherheit eines qualifizierten Teams. Der Weltverband schweigt – und verrät damit sein eigenes Neutralitätsprinzip.
Es gibt einen Satz, der alles über den Zustand dieses Turniers sagt, noch bevor auch nur ein Ball gerollt ist. Donald Trump schrieb auf seiner Plattform, die iranischen Spieler seien zwar willkommen – er halte es aber "nicht für angemessen, dass sie dort sind, im Hinblick auf ihr eigenes Leben und ihre Sicherheit". Das ist kein diplomatisches Signal. Das ist eine öffentliche Warnung vom Gastgeber einer Weltmeisterschaft an ein qualifiziertes Teilnehmerland. Und die FIFA? Schweigt.
Dabei ist die Ausgangslage so eindeutig wie sie heikler kaum sein könnte. Der Iran hat sich sportlich für die WM qualifiziert, die vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet. Seine Gruppenspiele sollen in Los Angeles und Seattle ausgetragen werden – also auf amerikanischem Boden, unter amerikanischer Gastgeberschaft, in einer Zeit militärischer Eskalation im Nahen Osten.
Die US-israelischen Angriffe Ende Februar haben die Lage so weit verschärft, dass sogar Irans eigener Sportminister Ahmad Donyamali die Teilnahme seines Landes öffentlich infrage stellte. Der Druck kommt also von beiden Seiten: vom Gastgeber, der die Sicherheit der Gegenseite anzweifelt – und vom Iran selbst, der über seine eigene Teilnahme laut nachdenkt.
In dieser Gemengelage hält der asiatische Fußballverband AFC die Fahne der Normalität hoch. Generalsekretär Windsor John sagte in Kuala Lumpur, nach aktuellem Kenntnisstand werde der Iran spielen. Es gebe keine offizielle Information, dass das Team nicht teilnehmen werde. Man beobachte die Situation. Das klingt nach Pflichterfüllung, nach einem Verwaltungsakt, nach Hoffnung als Strategie. Was fehlt, ist eine Institution, die den strukturellen Bruch beim Namen nennt: Ein WM-Gastgeber, der einem qualifizierten Land die Teilnahme öffentlich ausredet, ist kein Ausrutscher. Das ist ein Systemversagen.
Genau hier liegt die eigentliche Frage, die diese WM aufwirft – und die weit über Iran und die USA hinausgeht. Die FIFA beharrt traditionell auf dem Prinzip politischer Neutralität des Sports. Doch diese Neutralität funktioniert nur, wenn alle Akteure dasselbe Spiel spielen. Wenn ein Gastgeber die Grenze zwischen Geopolitik und Sportpolitik aktiv einreißt, kann ein Weltverband nicht länger so tun, als gäbe es diese Grenze noch. Trumps widersprüchliche Signale sind keine Randnotiz. Sie sind eine direkte Herausforderung an den Anspruch, Fußball sei ein Raum jenseits der Weltpolitik.
Am Ende steht ein iranisches Nationalteam, das im Zentrum eines Konflikts steht, den es nicht ausgelöst hat. Spieler, die Fußball spielen wollen – und sich fragen müssen, ob sie dafür in Los Angeles auflaufen dürfen, sollen oder können. Die FIFA wird sich irgendwann verhalten müssen, egal wie lange sie schweigt. Neutralität ist keine Haltung, wenn die Welt brennt. Sie ist dann nur noch Wegschauen mit Verbandslogo.