Transfer-Chaos um Kennedy Okpala beschädigt alle Beteiligten

Streit zwischen Mannheim und Paderborn sorgt für Schlagzeilen - und juristischen Ärger

Transfer-Chaos um Kennedy Okpala beschädigt alle Beteiligten
IMAGO/STEINSIEK.CH

Der Fall Kennedy Okpala ist ein Lehrstück darüber, wie chaotisch Transfers im deutschen Profifußball ablaufen können. Und wie wenig Respekt manche Beteiligte voreinander haben.

Am Freitagabend verkündet der SC Paderborn stolz die Verpflichtung eines 21-jährigen Stürmers aus der Dritten Liga. Sieben Tore, drei Vorlagen in 18 Spielen – ein vielversprechendes Talent, das den nächsten Karriereschritt machen will. Geschäftsführer Sebastian Lange freut sich öffentlich, der Spieler soll direkt ins Trainingslager in die Türkei mitreisen. Alles scheint perfekt.

Nur hat offenbar niemand in Paderborn daran gedacht, dass in Mannheim noch ein Vertrag existiert. Oder man hat es schlicht ignoriert.

Der SV Waldhof reagiert mit einer Stellungnahme, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Von "Verwunderung" ist die Rede, davon, dass Okpala nicht zum Training erschienen sei und ein solches Verhalten nicht toleriert werde. Der Spieler sei weiterhin Mannheimer. Punkt.

Zwischen diesen beiden Positionen steht ein Sportrechtler namens Horst Kletke, der Okpala berät und eine dritte Version der Geschichte erzählt. Demnach habe sein Mandant den Vertrag gekündigt, weil Mannheim vertragliche Pflichten nicht eingehalten habe. Eine Klausel ermögliche den Wechsel, alles sei korrekt abgelaufen.

Wer hat Recht? Das werden vermutlich Juristen klären müssen. Aber unabhängig vom Ausgang dieses Streits offenbart der Fall ein grundsätzliches Problem.

Wenn ein Zweitligist einen Spieler öffentlich als Neuzugang präsentiert, während dessen aktueller Verein behauptet, der Transfer sei gar nicht rechtmäßig zustande gekommen, dann ist etwas fundamental schiefgelaufen. Entweder in der Kommunikation zwischen den Klubs. Oder in der Sorgfalt bei der Vertragsgestaltung. Oder beides.

Für Okpala selbst ist die Situation heikel

Ein junger Spieler, der sich zwischen zwei Vereinen wiederfindet, die öffentlich über seinen Status streiten. Das ist keine gute Ausgangslage für den nächsten Karriereschritt, egal wie dieser am Ende aussieht.

Mannheim hat das Recht, auf Vertragstreue zu bestehen. Paderborn hat das Recht, einen Spieler zu verpflichten, wenn die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Aber beide Seiten hätten die Pflicht gehabt, diese Fragen zu klären, bevor Pressemitteilungen verschickt werden.

Stattdessen wird ein Transferstreit öffentlich ausgetragen, der alle Beteiligten beschädigt. Den abgebenden Verein, der hilflos wirkt. Den aufnehmenden Verein, der voreilig wirkt. Und den Spieler, der zwischen den Fronten zerrieben wird.

Der deutsche Fußball leistet sich regelmäßig solche Kommunikationsdesaster. Sie entstehen aus Eitelkeit, aus mangelnder Abstimmung, aus dem Drang, als Erster eine Nachricht zu verkünden. Am Ende zahlen meist die Spieler den Preis. Kennedy Okpala ist gerade dabei, diese Erfahrung zu machen.