Trainer Blessin startet in Mönchengladbach: Ich bin vorsichtig sehr pessimistisch
Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über seine Lieblingskrisenmannschaft: Die Fohlen starten am Sonntag ausgerechnet beim Rheinderby den gefühlt zehnten Neuanfang
Ich bin hier in der Vergangenheit kaum als Gladbach-Sympathisant auffällig geworden. Was nicht bedeuten soll, dass mir Borussia Mönchengladbach unsympathisch ist. Nein, es bedeutet, dass ich die Art und Weise, wie dieser Verein seit langer Zeit geführt wird, nämlich gar nicht, immer wieder erstaunlich und besprechenswert finde.
Sagen wir so: Mönchengladbach ist zu meiner Lieblingskrisenmannschaft geworden. Sie trägt aber auch viel dazu bei. Aktuell: Bundesliga-Platz 18. Zahl der in dieser Saison geholten Punkte: null. Gegentore: 16 in vier Spielen.
Ich will die VfL-Fans nicht nerven und von vergangenen Heldentaten anfangen – 70er-Jahre, Meisterschaften, Europapokale und so. Nur kurz deshalb: Die waren mal ganz toll. Dann begann ein langes Auf und Ab, aus dem schließlich ein Ab und Ab wurde. Das letzte Mal, als Borussia Mönchengladbach einen Titel gewann, war George W. Bush US-Präsident: 2008. Und es war leider nur die Zweitligameisterschaft.
Mönchengladbach ist das Nokia des Weltfußballs.
Aber es heißt ja: Jeder hat eine zweite Chance verdient. Im Fall Gladbach kann man von der circa zehnten zweiten Chance sprechen, wenn am Sonntag der neue Trainer Alexander Blessin startet, und das ausgerechnet mit dem Rheinderby auswärts beim 1. FC Köln.

Ich frage mich, warum ich optimistisch sein sollte, was das Thema Abstieg angeht. Dafür spricht: Gladbach hat ein Defensivproblem, und Blessin gilt als Defensivspezialist. Mit seinem letzten Klub FC St. Pauli baute er in der Saison 2024/25 die zweitbeste Defensive der Liga hinter dem FC Bayern.
Und: Schlechter kann es eigentlich nicht mehr werden. Endlich hat das Drama mit Eugen Polanski ein Ende. Der Trainer durfte trotz beeindruckender Erfolglosigkeit 299 Tage arbeiten und ein historisch mieses Punkteschnittvermächtnis von knapp über 1 hinterlassen. Auch die Posse um Sportchef Roland Virkus ist ausgestanden, jetzt wirkt an seiner Stelle Rouven Schröder. Und schon sind wir erneut beim Thema zweite Chance. Schröder war zuvor zehn Monate in Salzburg und jeweils nur rund anderthalb Jahre bei RB Leipzig und Schalke 04 im Dienst.
Aber das ist wieder viel zu pessimistisch gedacht.
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