Ter Stegens Weg zur WM führt über Girona und nicht über Barcelonas Ersatzbank
Nationaltorwart muss endlich den Weltklub verlassen, um Spielpraxis zu sammeln.
Marc-André ter Stegen steht vor einer Entscheidung, die seine Karriere definieren wird. Der deutsche Nationaltorhüter hat offenbar seine grundsätzliche Zustimmung zu einem Leihgeschäft zum FC Girona gegeben. Was auf den ersten Blick wie ein Abstieg wirkt, könnte sich als kluger Schachzug erweisen. Die Fakten sind eindeutig: Beim FC Barcelona hat ter Stegen keine Zukunft mehr. Trainer Hansi Flick setzt auf Joan García, der 33-Jährige sitzt auf der Bank. Ein Vertrag bis 2028 nützt nichts, wenn man nicht spielt. Und genau das ist der Punkt, an dem ter Stegen ansetzen muss. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat unmissverständlich klargemacht, was er von seinem potenziellen Nummer-eins-Torhüter erwartet. Spielpraxis. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Die WM in den USA, Mexiko und Kanada im Sommer ist das Ziel, und der Weg dorthin führt nicht über die Ersatzbank im Camp Nou. Nagelsmann formulierte es diplomatisch, aber deutlich: Es sei nicht entscheidend, ob ter Stegen bei einem europäischen Topklub spiele. Wichtig sei, dass er spielt – und einigermaßen gut. Girona bietet genau diese Chance. Der abstiegsbedrohte Klub hat mit 34 Gegentoren nach 18 Spielen die schlechteste Abwehr der Liga. Für einen Torhüter, der sich beweisen will, ist das paradoxerweise eine Gelegenheit. Wer hinter einer wackligen Defensive glänzt, zeigt echte Klasse. Wer dort versagt, hat ohnehin keine WM-Ambitionen mehr zu verteidigen. Die Verhandlungen stocken allerdings noch an einem entscheidenden Punkt: der Gehaltsaufteilung zwischen Barcelona und Girona. Ter Stegen soll nicht bereit sein, auf Gehalt zu verzichten, um den Wechsel zu erzwingen. Das ist sein gutes Recht. Ein Spieler seines Formats muss keine finanziellen Zugeständnisse machen, um Spielzeit zu bekommen. Die Vereine müssen sich einigen. Ein praktischer Aspekt kommt hinzu: Girona liegt nur rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona. Für den in Trennung lebenden ter Stegen bedeutet das, dass er weiterhin in der Nähe seiner beiden Söhne bleiben kann. Manchmal sind es solche Details, die eine Entscheidung erleichtern. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob alle Parteien zusammenfinden. Für ter Stegen geht es um mehr als ein halbes Jahr Spielpraxis. Es geht um die Frage, ob er im Sommer als deutscher Nummer-eins-Torhüter zur Weltmeisterschaft reist oder als Mann, der seine beste Zeit hinter sich hat. Girona ist keine Traumdestination. Aber manchmal führt der Umweg zum Ziel.