Steffens Selbstkritik ist ehrlich – aber sie ersetzt keine Punkte

Nach der Niederlage im Nordderby steht Werder Bremens Trainer in der Kritik.

Steffens Selbstkritik ist ehrlich – aber sie ersetzt keine Punkte
IMAGO/Eibner

Die Selbstkritik kommt zur rechten Zeit, aber sie allein wird Horst Steffen nicht retten. Fünf Spiele ohne Sieg, ein verlorenes Nordderby, ein Unentschieden in Augsburg, das sich anfühlte wie eine weitere Niederlage – der Trainer von Werder Bremen steht unter Druck, und er weiß es. Dass Steffen öffentlich einräumt, wie sehr ihn die 2:3-Pleite beim HSV noch immer beschäftigt, ist bemerkenswert ehrlich. Er sagt, niemand müsse ihn kritisieren, weil er selbst sein schärfster Kritiker sei. Das klingt nach Demut, nach Reflexionsfähigkeit. Doch in der Bundesliga zählen am Ende keine Bekenntnisse, sondern Punkte. Und die fehlen Werder seit Wochen. Die Tabelle lügt nicht. Platz zehn klingt nach gesichertem Mittelfeld, doch der Abstand nach unten ist in dieser Saison trügerisch gering. Wer jetzt nicht die Kurve kriegt, kann schnell in Regionen abrutschen, in denen es ungemütlich wird. Steffen, der im Sommer mit dem Nimbus des erfolgreichen Zweitliga-Trainers aus Elversberg kam, muss beweisen, dass er auch auf höchstem Niveau bestehen kann. Bisher bleibt er diesen Beweis schuldig. Der Unmut im Umfeld ist längst spürbar, und Steffen macht keinen Hehl daraus, dass er ihn wahrnimmt. Er will ihn als Ansporn verstehen, verspricht Besserung. Doch Versprechen nutzen sich ab, wenn ihnen keine Taten folgen. Die Fans haben das Nordderby nicht vergessen. Sie werden auch nicht vergessen, wenn die Mannschaft weiter stagniert. Was Steffen jetzt braucht, ist ein Ergebnis, das Ruhe schafft. Am 10. Januar kommt Hoffenheim ins Weserstadion – eine Mannschaft, die Aufwind spürt. Es ist eine dieser Partien, die man gewinnen muss, wenn man als Trainer Handlungsspielraum behalten will. Ein weiteres Unentschieden, eine weitere Niederlage, und die Diskussionen werden lauter werden. Die Winterpause gibt Steffen Zeit zum Durchatmen, zum Justieren. Doch sie gibt auch den Kritikern Zeit, ihre Argumente zu schärfen. In Bremen wissen sie, wie schnell sich Stimmungen drehen können. Die Geduld mit Trainern, die Ergebnisse schuldig bleiben, ist begrenzt – egal wie sympathisch die Selbstkritik daherkommt. Steffen hat recht, wenn er sagt, dass er das Beste für den Verein will. Daran zweifelt niemand. Die Frage ist nur, ob sein Bestes gut genug ist für die Ansprüche, die Werder Bremen an sich selbst stellt. Die Antwort darauf wird nicht in Interviews gegeben, sondern auf dem Platz. Spätestens gegen Hoffenheim.