Steffen-Aus bei Werder war unvermeidlich – doch die eigentliche Arbeit beginnt jetzt

Werder Bremen entlässt Trainer Horst Steffen nach zehn sieglosen Spielen.

Steffen-Aus bei Werder war unvermeidlich – doch die eigentliche Arbeit beginnt jetzt
IMAGO/DeFodi Images

Acht Monate. Zehn Spiele ohne Sieg. Ein Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz. Die Zahlen erzählen die Geschichte von Werder Bremen in dieser Saison präziser als jede Analyse. Und sie erklären, warum Trainer Horst Steffen bei Werder Bremen gehen musste. Sympathie alleine reicht nicht zur Arbeitsplatzsicherung.

Die Entscheidung von Clemens Fritz ist konsequent, auch wenn sie schmerzt. Der Sport-Geschäftsführer des SV Werder hatte Steffen im Sommer als seine persönliche Wunschlösung präsentiert, als den Mann, der nach der Ära Ole Werner einen neuen Weg einschlagen sollte. Nun muss Fritz eingestehen, dass diese Wunschlösung gescheitert ist. Das erfordert Größe, und es erfordert vor allem die Bereitschaft, eigene Fehler zu korrigieren.

Denn natürlich wirft diese Trennung Fragen auf, die über den Trainer hinausgehen. Warum wurde ein Trainer aus der 2. Liga verpflichtet, der offensichtlich nicht die Mittel hatte, eine Mannschaft durch eine solche Krise zu führen? Warum reagierte man nicht früher, als sich die Abwärtsspirale bereits abzeichnete? Und vor allem: Was muss sich strukturell ändern, damit der nächste Trainer nicht in dieselbe Falle tappt?

Werder Bremen mit Notlösung

Die Interimslösung mit Raphael Duarte und Christian Groß ist ein Notbehelf, nicht mehr. Sie verschafft dem Klub Zeit, um die richtige Entscheidung zu treffen. Doch Zeit ist ein Luxus, den Werder Bremen gerade nicht hat. Das Spiel beim SC Freiburg am Samstag wird zeigen, ob die Mannschaft überhaupt noch in der Lage ist, sich aus eigener Kraft zu befreien.

Fritz hat angekündigt, sich die nötige Zeit für die Trainersuche zu nehmen. Das klingt vernünftig, birgt aber Risiken. Jeder weitere Spieltag ohne Sieg verschärft die Lage. Jeder weitere Punkt, der liegen bleibt, macht den Abstiegskampf brutaler. Die Bundesliga verzeiht keine Sentimentalitäten, und sie wartet nicht auf Traditionsklubs, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

Was Werder jetzt braucht, ist kein Feuerwehrmann, sondern ein Trainer mit klarem Konzept und der Autorität, eine verunsicherte Mannschaft wieder aufzurichten. Einer, der nicht nur die nächsten Wochen übersteht, sondern einen Plan für die kommenden Jahre mitbringt. Die Fehler der Vergangenheit dürfen sich nicht wiederholen.

Die Trennung von Steffen war unvermeidlich. Sie ist der erste Schritt. Aber sie ist eben nur das: ein erster Schritt. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.