Champions League: Fans finden Modus gut und wollen ihn trotzdem loswerden

Zum dritten Mal startet die Königsklasse ohne Gruppen. Die Zustimmung der Anhänger ist da — für gerecht hält sie kaum einer.

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12.08.2026, Fussball UEFA-Supercup 2026: Finale in Salzburg (Österreich), Paris St. Germain - Aston Villa, in der Red Bull Arena (Wals bei Salzburg). Stewardess von Qatar Airways steht als W
Foto: IMAGO/MIS

Real Madrid gegen Inter Mailand an diesem Dienstag, der FC Liverpool gegen Atlético Madrid am Mittwoch: Die UEFA hat den Auftakt ihrer dritten Ligaphase so plakatiert, dass niemand mehr nach dem Modus fragen soll. Ihre eigene Bilanz der vergangenen Saison trägt die Überschrift „Mehr Tore, mehr Ausgeglichenheit, mehr Drama“ — 487 Treffer in 144 Spielen, 309 Tabellenänderungen allein am achten Spieltag. Was wohl so viel heißen soll wie: Die Reform ist durch, die Debatte erledigt.

Erledigt ist sie nicht. Im Bundesliga-Barometer, dem Umfragepanel von Professor Alfons Madeja, haben gerade 6.452 Fans über die Königsklasse Auskunft gegeben. Knapp 55 Prozent finden den neuen Modus gut. Das klingt nach einer Mehrheit, mit der sich in der UEFA-Zentrale in Nyon gut leben lässt.

Nur wollen in derselben Erhebung 49 Prozent das alte Format zurück. Beide Zahlen zusammen ergeben eine Gruppe, die es eigentlich nicht geben dürfte: Jeder zweite Fan findet den Modus gut und gleichzeitig will jeder Zweite den Modus abschaffen - mehr Polarisierung geht nicht.

Die härteste Zahl steht weiter unten im Fragebogen. Ob die Champions League durch die Reform fairer geworden sei, verneinen fast drei von vier Befragten; nur gut ein Viertel sagt ja. Zwischen „gut“ und „gerecht“ klaffen fast 29 Prozentpunkte. Attraktiver geworden ist der Wettbewerb für 41 Prozent — der Rest verneint auch das.

Was die Reform gebracht hat, lässt sich dagegen auf den Cent beziffern. Aus sechs Gruppenspielen wurden acht Ligaspiele, der spätere Sieger kann auf 17 Partien kommen. Die UEFA schüttet in dieser Saison 2,467 Milliarden Euro an die Klubs aus. Jeder der 36 Teilnehmer bekommt davon 18,62 Millionen Euro allein fürs Dabeisein, unabhängig davon, ob er ein einziges Spiel gewinnt.

Der beste Fürsprecher der Reform kommt allerdings aus Norwegen und ist am Donnerstag in München zu Gast. Der FK Bodø/Glimt aus einer Stadt mit 50.000 Einwohnern stand in der vergangenen Saison nach sechs Ligaspieltagen bei drei Unentschieden und drei Niederlagen, ohne einen einzigen Sieg. Dann schlug er Manchester City 3:1 und gewann bei Atlético Madrid 2:1 — und stand am Ende im Achtelfinale. Im alten Format mit sechs Gruppenspielen wäre dieser Start das Aus gewesen; dort standen die ersten beiden Plätze oft schon nach dem vierten Spieltag fest.

Das war der Zweck der Reform, und sie hat ihn erfüllt: Die toten Novemberabende sind weg. Wer den neuen Modus verteidigt, muss nichts erfinden.

Die Fairness-Frage beantwortet das halt nicht. Ein Startgeld, das jeder bekommt, verändert die Rangordnung nicht — es zementiert sie, weil 18,62 Millionen bei Real Madrid anders wirken als bei einem norwegischen Meister. Der FC Bayern ist deutscher Meister, Paris Saint-Germain hat im Mai den fünften französischen Titel nacheinander geholt. Beide sind jedes Jahr dabei, beide nehmen dieses Geld mit in eine Liga, in der die Konkurrenz es nicht bekommt.

Drei von vier Fans sagen, gerechter sei das nicht geworden. Sie haben recht, und die UEFA weiß es. Sie hat nie behauptet, sie baue einen faireren Wettbewerb — sie hat zwei zusätzliche Spieltage verkauft und mehr Drama versprochen. Beides hat sie geliefert. Nur ist Drama kein Ersatz für Chancengleichheit, sondern deren Ablenkung.